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Wirtschaftsmacht China : Eine goldene Gelegenheit

Für jeden fällt etwas ab: Xi und Ramaphosa am Dienstag in Pretoria. Bild: dpa

Staatspräsident Xi tourt durch Afrika. Der Kontinent braucht Geld – und China ein Experimentierfeld für den globalen Führungsanspruch.

          6 Min.

          Dem Besucher aus dem Reich der Mitte war am Dienstag in Pretoria ein ehrenvoller Empfang bereitet worden. Zunächst wurden für den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping vor den „Union Buildings“, dem Sitz von Präsident und Regierung, 21 Salutschüsse abgefeuert. Dann stand zuerst die Präsidentengarde stramm und danach das versammelte Kabinett, um dem Ehrengast die Hand zu schütteln. Am Abend zuvor war Xi auf der Waterkloof-Luftwaffenbasis gelandet. Offizieller Anlass seines dritten Besuch am Kap: der Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Aber der chinesische Führer hatte ohnehin auf dem Kontinent zu tun und zuvor bereits dem westafrikanischen Senegal wie dem zentralafrikanischen Ruanda einen Besuch abgestattet. Nach seiner Abreise aus Johannesburg an diesem Freitag ist dann noch ein Zwischenstopp auf der Insel Mauritius geplant.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Natürlich geht es meist ums Geld, wenn Gäste aus dem Riesenreich nach Afrika kommen. In Südafrika ist das nicht anders. Seit neun Jahren in Folge ist China Südafrikas wichtigster Handelspartner. Gerade hat das Handelsvolumen 39Milliarden Dollar erreicht, zwanzig Mal so viel wie in den neunziger Jahren, als die beiden Staaten nach dem Ende der Apartheid diplomatische Beziehungen aufnahmen. Direktes chinesisches Investment hat sich in dieser Zeit verachtfacht: auf einen Wert von 10 Milliarden Dollar.

          Währung hat um 20 Prozent nachgegeben

          Das Land am Südzipfel Afrikas hat Geld bitter nötig, denn die einheimische Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Die Wirtschaftsleistung sank im zweiten Quartal dieses Jahres um 2,2 Prozent, viermal stärker als erwartet. Investoren halten sich zurück, seit die Regierung verkündet hat, weiße Farmer entschädigungslos enteignen zu wollen und damit den Forderungen der Linksextremisten nachkommt. Man sieht das Elend auch am Kurs des Südafrikanischen Rand. Die nationale Währung hat in den vergangenen Wochen um 20 Prozent nachgegeben und damit ihren Aufwärtstrend nach der Vereidigung des neuen Staatspräsidenten Cyril Ramaphosa nahezu komplett eingebüßt.

          Auf der Suche nach neuen Geldquellen blickt das Land deshalb immer häufiger gen Osten, wo man sich um die inneren Angelegenheiten der Schuldner nicht allzu sehr kümmert. „Der Staatsbesuch von Präsident Xi Jinping ist eine goldene Gelegenheit für Südafrika, die strategischen Beziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde weiter zu vertiefen“, jubelte folgerichtig David Monyae, einer der Direktoren des Konfuzius-Instituts der Universität Johannesburg, in der Zeitung „Cape Times“.

          China überflügelt Europa

          Der Kommentator des Wirtschaftsblatts „Business Day“ sieht das ähnlich. Auf Europa und die Vereinigten Staaten sei immer weniger Verlass und die Brics-Staaten seien mittlerweile wichtiger als die G-7-Gruppe, in denen China, Indien und Russland gar nicht vertreten seien. Zudem werde prognostiziert, „dass China noch in diesem Jahr die komplette Euro-Zone überflügelt“. Einige Tage zuvor habe Barack Obama in Johannesburg zwar wegen des miserablen Zustands der Menschenrechte noch vor China gewarnt, doch es gebe noch etwas Wichtigeres, so die Zeitung „Business Day“: „Pragmatismus.“

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