https://www.faz.net/-gpf-aiju3

Wirtschaftskrise in der Türkei : Erdogans Kampf gegen den Markt

Tayyip Erdogan am 1. Dezember in Ankara Bild: via REUTERS

Der türkische Präsident hält an seiner Politik fest, die Zinsen weiter zu senken. Damit schmälert er die Kaufkraft der Türken – und die Opposition ist schon siegesgewiss.

          6 Min.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eifert offenbar dem persischen Großkönig Xerxes nach. Der hatte 480 vor Christus bei seinem Feldzug gegen Griechenland zwei Schwimmbrücken über den Hellespont, also die Meerengen der Dardanellen, bauen lassen. Bevor seine als die „Unsterblichen“ gerühmten Elitetruppen aber übersetzen konnten, zerstörte ein Unwetter die Brücken. Der Geschichtsschreiber Herodot hat überliefert, dass der zornige Großkönig die Dardanellen deshalb mit 300 Peitschenhieben bestrafte und in Ketten legen ließ, den Brückenbauern ließ er die Köpfe abschlagen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          So wie sich Xerxes nicht den Gesetzen der Natur beugen wollte, widersetzt sich Erdogan heute den Grundsätzen des Marktes. Er will das Gesetz von Angebot und Nachfrage nicht wahrhaben, auch nicht, dass der Zinssatz über der Inflationsrate liegen muss, weil die Marktteilnehmer sonst türkische Lira abstoßen und Devisen kaufen. Erzürnen muss ihn, dass er Andersdenkende einsperren kann, nicht aber den Markt selbst, dass er vier Gouverneure der Zentralbank in nur zwei Jahren entließ, sich das gewünschte Ergebnis – niedrige Zinsen gegen hohes Wachstum bei einer stabilen Währung – aber nicht eingestellt hat.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Abschied aus München: Kardinal Ratzinger geht 1982 zur Glaubenskongregation nach Rom.

          Missbrauchsstudie : Was wusste Ratzinger?

          Am Donnerstag wird ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht. Es geht darin um einen Priester als Täter – und um die Rolle des vormaligen Papstes.