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Wirtschaftskrise im Libanon : Die Aasgeier kreisen über Beirut

Eine Straße in Burdsch Hammud, einem Stadtteil von Beirut, in dem viele ausländische Arbeitskräfte leben. Bild: TILL HEENE

Jahrzehntelang hat die libanesische Elite dreist das Land geplündert. Jetzt bricht alles zusammen – und die Politiker machen ausgerechnet die Antikorruptionsproteste dafür verantwortlich.

          5 Min.

          Die Brüder Nazarian haben schon allerhand erlebt. Länger als ein halbes Jahrhundert führen sie ihr kleines Jagdwaffengeschäft, das 1952 von ihrem Vater eröffnet wurde. Sie haben den Bürgerkrieg überstanden, mussten aber umziehen: Früher lag der Laden im umkämpften Herzen von Beirut, jetzt liegt er am Rande von Burdsch Hammud, einem Stadtteil, in dem viele leben, die wie die Nazarians aus Armenien stammen. Die Gegend regt nicht gerade zum Flanieren an. Die Fassaden sind verwittert und abgasgrau. Von der nahen Schnellstraße dringt ein Crescendo von genervtem Hupen und Motorengeräuschen herüber, weil man dort wieder einmal – und wie so oft – nicht schnell vorankommt.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Hier kaufen vor allem die einfachen Leute ein: Libanesen, deren Geld nur für Einwegqualität aus Fernost reicht. Oder Hausangestellte aus Afrika und Asien. Es sind Leute, die genau wissen, was gemeint ist, wenn Aram Nazarian sagt: „So schlimm war es wirklich noch nie.“ Er sitzt hinter der Ladentheke, den Blick auf Regale gerichtet, in denen sich Schrotflinten reihen und Munitionskartons stapeln. „Im Bürgerkrieg war es einfacher“, erklärt er und fügt fast etwas belustigt an: „Da floss noch Geld, überall waren Dollars!“

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