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Akademie der Wissenschaften : Orbáns Kampfansage per E-Mail

In den Regierungserklärungen ist allgemein von einer Steigerung der Effizienz und des Nutzens die Rede, welche durch die Neugliederung verbessert werden sollten. Lovász verweist darauf, dass die MTA-Institute vor allem Grundlagenforschung betreiben. „Grundlagenforschung muss anders finanziert werden, es kann nicht ausschließlich über Projekte laufen, schon gar nicht solche Projekte, bei denen Regierungsbeamte die Ziele festlegen. Das würde mit keiner auch noch so wohlwollenden Regierung funktionieren. Denn der Punkt ist: Man kann nicht vorhersagen, was man herausfindet. Das muss auf Vertrauen basieren, herausragende Forscher sollten frei darin sein zu tun, was ihnen die Wissenschaft gebietet. Das Besondere an der Akademie ist die Zusammenballung von Wissen, internationale Verbindungen, Zusammenarbeit – nicht einfach nur Ergebnisse, die ausgespuckt werden.“

Die Sorge um die akademische Freiheit rühre aber auch von einer „Anklage“ her, „die so nicht im Gesetzentwurf steht, aber in der politischen Begleitung erklungen ist, in Stellungnahmen oder Artikeln: Die Akademie habe sich in politische Belange eingemischt.“ Diesen Vorwurf weist Lovász zurück. Natürlich könne es gerade in den Geistes- Wirtschafts- oder Gesellschaftswissenschaften vorkommen, dass wissenschaftliche Untersuchungen zu Ergebnissen kämen, die möglicherweise der Regierungspolitik entgegenliefen. „Man kann auf wissenschaftlicher Basis Alternativen aufzeigen. Das wird oft mit politischer Einmischung verwechselt. Aber das ist Wissenschaft.“

„Bisherige Fragmentierung beenden“

Gibt es einen Zusammenhang mit dieser Inititative und den Regelungen, die die Privatuniversität CEU mit dem wesentlichen Teil ihres Programmes außer Landes getrieben haben? Lovász macht eine lange Denkpause, ehe er antwortet: „Ich glaube, beides ist Teil eines generellen Trends in der Regierungspolitik, mehr direkte Kontrolle auf Wissenschaft und Hochschulbildung zu bekommen.“ Es sei insgesamt der Versuch zu beobachten, etwa mit der Zuteilung der Finanzierung „die Forschung in eine Richtung zu drängen, die mit politischen oder ideologischen Zielen der Regierung übereinstimmt.“ Der Mathematiker verweist darauf, dass die Regierung bereits neue Institute geschaffen habe, die mit Leuten besetzt wurden, die der ideologischen Richtung der Regierung passen: Ein Geschichtsinstitut mit dem anspruchsvollen Namen „Veritas“ oder zuletzt ein Institut für eine neu kreierte wissenschaftliche Disziplin: Ungarische Studien. „Aber das ist Sache der Regierung. Die Akademie der Wissenschaften war bislang weitgehend frei.“

Die Regierung weist die Vorwürfe zurück. Ziel der Änderungen sei „mehr Forschung, um die ungarische Wirtschaft effektiv zu unterstützen,“ heißt es in einer Erklärung des Kommunikationsamts. Daher werde „die bisherige Fragmentierung“ beendet. Das bisherige System sei nicht effizient, die neue Lösung orientiere sich an bewährter Praxis insbesondere in Deutschland. Die Mittel für Forschung, Entwicklung und Innovation würden 2020 um 32 Milliarden Forint erhöht. Mit der Leitung der MTA habe man ein Jahr verhandelt, um einen Kompromiss zu erzielen, jedoch ergebnislos.

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