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Russisches Militärengagement : Was will Putin in Syrien?

  • -Aktualisiert am

Russlands Präsident Putin steht treu auf Seiten des syrischen Machthabers Assad Bild: AFP

Die russischen Militärmaßnahmen in Syrien legen den Schluss nahe, dass Moskau sich zumindest die Option eröffnen will, mit eigenen Soldaten in den Bürgerkrieg einzugreifen. Das ist keine erfreuliche Aussicht. Ein Kommentar.

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          Die Erfahrung mit der Ukraine hat gelehrt, dass man russischen Aussagen über Truppenbewegungen nicht vertrauen kann. Deshalb ist nicht gesagt, dass es in Syrien bei Waffenlieferungen und Einweisungen für die Regierungstruppen bleibt, so wie Außenminister Lawrow das nun dargestellt hat. Die militärischen Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen bekannt geworden sind, legen den Schluss nahe, dass Russland sich zumindest die Option eröffnen will, mit eigenen Soldaten in den Bürgerkrieg einzugreifen. Präsident Putin hat schon entsprechende Andeutungen gemacht.

          Das ist keine erfreuliche Aussicht. Jede militärische Stärkung des Regimes, auch ohne auswärtige Kampfbeteiligung, wird Syrien dem Frieden nicht näher bringen. Nach allem, was in den vergangenen Jahren geschehen ist, erscheint ein halbwegs gedeihliches Zusammenleben in dem Land unter der Herrschaft Assads nicht mehr vorstellbar. Und ein direktes Eingreifen Russlands wäre mit der Gefahr verbunden, dass es zu einer militärischen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten kommt, etwa wenn russische Soldaten bei Luftschlägen der von Washington geführten Koalition zu Schaden kommen sollten. Angesichts der angespannten Beziehungen der beiden Großmächte wäre das eine Entwicklung mit schwer zu kalkulierenden Weiterungen.

          Russland könnte durchaus eine wertvolle Rolle in diesem Konflikt spielen. Es gibt gemeinsame Interessen mit dem Westen, vor allem bei der Bekämpfung des Terrorismus. Die Zahl der russischen Dschihadisten in Syrien ist hoch. Russland könnte einen Beitrag zu einem Neuanfang leisten, indem es Assad einen Abgang ermöglicht. In den jüngsten diplomatischen Bemühungen Moskaus war dazu aber keine Bereitschaft zu erkennen. Es steht zu befürchten, dass Putin auch diesen Konflikt unter geostrategischen Gesichtspunkten betrachtet und vor allem als Ringen um regionalen Einfluss mit den Amerikanern versteht. In Syrien unterhält Russland seine einzige Marinebasis am Mittelmeer, das Regime bildet einen Gegenpol zu den amerikanischen Verbündeten in Arabien. Zur syrischen Tragödie gehört, dass sich bisher fast jeder Akteur nur für seine eng definierten Ziele einsetzt, aber kaum jemand für das Land insgesamt.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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