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Wilderei : Blutiges Horn

  • -Aktualisiert am

Der Kampf gegen die Wilderer in Südafrika ist ein Kampf gegen die Zeit. Insgesamt leben in Südafrika 20.700 Breitmaulnashörner („white rhinos“) und 4.800 Spitzmaulnashörner („black rhinos“). Die jährliche Geburtenrate liegt für die Breitmaulnashörner bei knapp zehn Prozent und für die Spitzmaulnashörner bei rund sechs Prozent. Anders ausgedrückt: Die Population der Breitmaulnashörner im Kruger-Park vermehrt sich jährlich um rund tausend Tiere. Treffen die Prognosen der Wildschutzbehörden zu, die für dieses Jahr eine Zahl von 520 gewilderten Nashörnern voraussagen, wäre die Population immer noch weit entfernt von der Ausrottung.

Die Frage allerdings ist, wann mehr Tiere getötet werden, als Junge geboren werden. Gut ein Viertel der südafrikanischen Nashörner leben in privaten Wildgehegen. Deren Betreiber müssen im Jahr bis zu 10.000 Dollar für private Sicherheitsfirmen ausgeben, um ihre Tiere zu schützen. Immer mehr dieser Wildparkbetreiber trennen sich deshalb von ihren Nashörnern. Vor vier Jahren war ein Breitmaulnashorn auf einer Wildtierauktion nicht für weniger als 36.000 Dollar zu haben. Inzwischen ist der Preis auf 30.000 Dollar gefallen. Mit dem Abschied der privaten Züchter aber sinkt die Geburtenrate der Nashörner dramatisch.

Mit der Wilderei in Südafrika ist es so schlimm geworden, dass zahlreiche Naturschützer schon für eine kontrollierte Freigabe des Nashornhandels eintreten. Die Wildschutzbehörde sitzt auf angeblich drei Tonnen Horn, die sich im Laufe der Jahre angehäuft haben - 400 Tiere sterben im Jahr schließlich auch eines natürlichen Todes. Damit ließe sich der Markt fluten, was einen Preisverfall nach sich ziehen würde, womit wiederum der Wilderei das Geschäft verdorben würde. Doch die südafrikanische Regierung hat etwas gegen solche Planspiele, weil sie einer Kapitulation vor den Wilderern und ihren Hintermännern gleichkomme. Den Tieren zu ihrem Schutz einfach die Hörner abzunehmen, hat sich als wenig hilfreich entpuppt, weil selbst derart „unwirtschaftliche“ Nashörner noch wegen des verbliebenen Stumpen auf der Nase getötet werden.

Die private Schutzorganisation „Rhino Rescue Project“ aus Johannesburg beschreitet deshalb einen radikalen Weg. Ihre Veterinäre bietet privaten Nashornbesitzern an, den Tieren ein Giftstoff in die Hörner zu injizieren, der auch gegen Zecken Verwendung findet. Das sei ungefährlich für das Nashorn, aber ausgesprochen unangenehm für den Konsumenten des Horns.

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