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Wilderei : Blutiges Horn

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Doch fast alle Apotheker sagen, dass sie „vielleicht“ jemanden kennten, der „wohl“ etwas besorgen könne. Keiner der Geschäftsleute in der Apothekenstraße hat je eine Razzia gegen den Handel mit Nashorn erlebt. Hier schneiden die Verkäufer weiter ungestört ihre Knollen, mischen Kräuter auf Waagschalen und füllen Süßholz in kleine Säckchen, während sie unter der Hand über mögliche illegale Deals verhandeln. Eine Frau berichtet, dass der Markt vor ein paar Jahren mit südafrikanischen Nashörnern überschwemmt worden sei. Sie schwöre auf die Wirkung der Hörner von der kleineren, asiatischen Variante - auch in Vietnam hat es einst Rhinozerosse gegeben.

Viele Lizenzen für die legale Jagd

Der Süden des Landes war bis vor kurzem Lebensraum einer kleinen Population des in Asien einheimischen Java-Nashorns. Wilderer haben das letzte Tier nach Angaben des WWF im Jahr 2010 getötet. Am Ende der Apothekerstraße wird südafrikanisches Nashorn angeboten - nicht direkt, aber mit den Worten: Man kenne da jemanden, der ein südafrikanisches Horn bekommen habe und es loswerden wolle. Der Preis sei 120 Millionen Dong für 100 Gramm (etwa 4.520 Euro). Das ist stattlich, dafür gibt es aber auch ein Jahr „Garantie“. Man bürge mit der guten Adresse des Ladens, der die Tradition mehrerer Generationen von Apothekern beheimate!

Es ist fast unmöglich, das echte Horn vom gefälschten zu unterscheiden. Eine Apothekerin sagt, dass wohl nahezu neunzig Prozent „Nashorn“ von Wasserbüffeln, Steinböcken oder anderen, ungeschützten Tieren stamme. Es sei wegen der höheren Aufmerksamkeit in den vergangenen Monaten schwieriger geworden, echtes Nashorn zu bekommen, sagt auch Naomi Doak von der Tierschutzorganisation Traffic in Hanoi. Es seien im Wesentlichen zwei Wege, auf denen die echten Nashörner ins Land gelangten: Der eine Weg sei der illegale Schmuggel aus Südafrika oder über Moçambique. Der andere, umständlichere Weg sei die legale Einfuhr von Jagdtrophäen aus Südafrika.

Südafrika gibt auf der einen Seite viel Geld für die Bekämpfung der Wilderei aus, auf der anderen Seite aber erteilen die Behörden nach wie vor Lizenzen für die legale Jagd von Nashörnern. 70.000 Dollar kostet es, ein Nashorn erschießen zu dürfen. Bis vor drei Jahren waren es vor allem europäische und amerikanische Jäger, die diesem „Sport“ nachgingen. Heute sind es nur noch Jäger aus Asien. Ein vier Kilo schweres Horn bringt auf dem Schwarzmarkt bis zu 240.000 Dollar - es darf aber ganz legal ausgeführt werden. 70.000 Dollar klingen da wie eine lukrative Investition.

Nachwuchs im Zoo Basel: Nashörner sind weit entfernt von der Ausrottung. Die Frage allerdings ist, wann mehr Tiere getötet werden als Junge geboren werden.

Einer der eifrigsten Jäger in Südafrika ist der aus Thailand stammende Geschäftsmann Chumlong Lemtongthai, den die „Hawks“ verdächtigen, ein Großer im illegalen Handel mit den Hörnern zu sein. Trotzdem wurde dem Mann in den vergangenen beiden Jahren je eine Lizenz zum Abschuss eines Nashorns gewährt und nicht nur das: Lemtongthai hatte insgesamt vierzig Abschussgenehmigungen ergattert und dafür aus Thailand eingeflogene Prostituierte als Großwildjäger posieren lassen. Inzwischen muss sich der Thailänder zusammen mit zwei südafrikanischen Tierärzten wegen „gewerbsmäßiger Wilderei“ vor Gericht verantworten.

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