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Wilderei : Blutiges Horn

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Zwölftausend Kilometer weiter östlich, in Vietnam: Das Treffen findet in einem schmalen Hinterhofhaus mitten in der Hauptstadt Hanoi statt. Im Eingangsbereich stehen ein flacher Tisch und ein paar hölzerne Sessel. Ansonsten sieht der Raum aus wie eine Asservatenkammer in einem Flughafen. Einmachgläser, Flaschen und Behälter stehen auf Regalen und Boden - sie enthalten in Alkohol eingelegte Schlangenköpfe, Skorpione, Würmer und Vogelfüße. In einer Ecke hängt das ausgestopfte Exemplar eines chinesischen Schuppentiers, einer geschützten Spezies. Der vietnamesische Hausherr ist wie viele seiner Landsleute ein Anhänger der traditionellen chinesischen Medizin und stolz auf seine Sammlung.

In der Apothekenstraße von Hanoi: Hier endet, was in Afrika erbeutet wurde. Für Nashornpulver wird ein Vermögen bezahlt – weil es angeblich heilt, was nicht zu heilen ist

Er hat gute Beziehungen zum Zoll. Auf diesem Weg kommt er an Produkte und Substanzen heran, die streng verboten sind. Opium, Tigerknochen und - Nashorn, die Ware, die in Vietnam gegenwärtig als heißeste und teuerste von allen gehandelt wird. Der Vietnamese macht kein großes Geheimnis daraus, dass er mehrere wertvolle Stücke besitzt. Er wartet allerdings bis zu fortgeschrittener Stunde, bis er sie hervorholt. Es ist für ihn der Höhepunkt des Abends, an dem schon viel Schnaps geflossen ist, der mit Hilfe eingelegter Tigersehnen, mit Hirschpenissen, Ameiseneiern und der Tatze eines asiatischen Schwarzbären „veredelt“ wurde.

Aus dem Obergeschoss holt er ein Stück Nashorn in der Größe eines Radiergummis, und ein zweites Stück, das aussieht wie der abgeschlagene Rand eines kleinen Holzscheits. An einer Seite hat es eine grünliche Farbe, zur anderen Seite hin wird es dunkelgrau bis schwarz. Gruselkabinette wie dieses sind der Grund dafür, warum Tierschutzorganisationen in Vietnam den derzeit wichtigsten Markt für den Handel mit Nashorn sehen. Vietnamesische Großabnehmer seien dafür verantwortlich, dass immer mehr südafrikanische Rhinozerosse gewildert würden, teilte der WWF im Juli mit. Doch die vietnamesische Regierung ignoriere das. Von 2008 bis Mitte 2012 sei kein Nashorn beschlagnahmt worden, obwohl es genug Hinweise für blühenden Schmuggel gebe.

Der Handel mit Nashorn ist Teil eines weltweiten illegalen Handels mit geschützten Tierarten, dessen Volumen Interpol auf zehn bis zwanzig Milliarden Dollar schätzt. Das ist mehr als das Bruttosozialprodukt der meisten afrikanischen Staaten. Moçambique beispielsweise, wo die meisten Wilderer herkommen, hat ein Bruttosozialprodukt von zehn Milliarden Dollar. Das jährliche Durchschnittseinkommen liegt dort bei 400 Dollar. Für ein Kilo Nashorn aber werden bis zu 60.000 Dollar gezahlt. Die Wilderer bekommen 1.000 Dollar pro Horn - auch das ist für sie noch ein Vermögen. Auch für die Ranger - im Februar dieses Jahres wurden im Kruger-Park drei Ranger wegen Wilderei festgenommen, in der Provinz KwaZulu-Natal waren es gleich fünf.

Inzwischen hat die „Hawks“ genannte Sondereinheit der südafrikanischen Polizei zur Bekämpfung von organisiertem Verbrechen alle Wilderei-Ermittlungen an sich gezogen. Die Zahl der Verhaftungen ist seither deutlich gestiegen, und die Justiz verhängt mittlerweile drakonische Strafen. Ein Richter in Kempton Park bei Johannesburg verurteilte unlängst drei Wilderer zu je 25 Jahren Gefängnis. Doch es sind immer nur die kleinen Fische, die der Polizei ins Netz gehen; die Schützen, die Kuriere, die Exporteure. Die Hintermänner bleiben im Dunkeln.

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