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Wikileaks-Veröffentlichungen : Vertrauliches, Geheimes und streng Geheimes

Streng geheim? Könnte Wikeleaks auch an brisante Daten deutscher Behörden kommen? Bild: dpa

Nach dem diplomatischen Desaster durch die Veröffentlichungen von Wikileaks dürften staatliche Stellen ihre Kommunikation überdenken. Einiges spricht dafür, dass das Auswärtige Amt, die Bundeswehr oder der BND kein vergleichbares Großleck zu befürchten haben.

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          Es begann mit dem 11. September 2001. Eine der Konsequenzen der Terroranschläge von Al Qaida war die Einrichtung eines internen Datennetzes namens „SIPRNet“ durch das Außenministerium. Die Abkürzung steht für „Secret Internet Protocol Router Network“, ein Intranet für vertrauliche und geheime Daten des Außen- und Verteidigungsministeriums, auf das mehr als 300.000 Diplomaten des State Department, Offiziere der Streitkräfte, militärische und zivile Mitarbeiter des Pentagons sowie militärischer Nachrichtendienste Zugriff haben.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Informationsbeschaffung, -sammlung und -zugang sollten - als Folge zahlreicher Informationspannen vor „9/11“ - für möglichst viele mit dem Antiterrorkrieg befasste Stellen der Vereinigten Staaten zugänglich sein, um Ermittlungsstränge, die vormals im Daten-Nirwana der Sicherheitsbehörden endeten, künftig zusammenzuführen.

          Sicherheitsfilter wurden wieder abgeschafft

          Was man damals nicht beachtete: Das Problem kann mitunter innen und nicht außen liegen. Für die Speicherung und die Weitergabe von mehr als 250.000 vertraulichen Dokumenten, darunter als geheim eingestufte Botschafterdepeschen, an das Enthüllungsportal Wikileaks wird in Washington ein inzwischen inhaftierter, 23 Jahre alter Obergefreiter namens Bradley Manning verantwortlich gemacht. (Siehe auch: Wikileaks: Der perfekte Sturm eines Obergefreiten)

          Kommunikation per SMS: Kanzlerin und Vizekanzler wurden mit abhörsicheren Mobiltelefonen ausgestattet

          Die über ein rotes Intranetkabel heruntergeladenen Daten konnten über ein grünes Internetkabel ins weltweite Netz gesandt werden. Sicherheitsfilter, wie ein Anschlussverbot von USB-Sticks, wurden angeblich nachträglich wieder abgeschafft, weil es - etwa von Soldaten im Irak - Klagen gab, das System sei nicht benutzerfreundlich.

          Diplomatisches Desaster

          Amerikanische Diplomaten bezeichnen die massenweise Veröffentlichung geheimer Dokumente nun als Desaster. Die Publikation werde die Autorität zahlreicher amerikanischer Diplomaten in ihren Einsatzorten beschädigen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass viele entsandte Diplomaten versetzt werden müssen.

          Die Frage nach dem mittelfristigen Verbleib Philip Murphys, des amerikanischen Botschafters in Berlin, ist da eher eine Fußnote der Geschichte, da dieser nur die peinliche Enthüllung von Botschafterberichten zu verantworten hat, die nicht eben schmeichelhafte Charakterisierungen deutscher Regierungsmitglieder enthalten.

          Diese Berichte mögen Murphy zurzeit Magenschmerzen bereiten, auch wenn deren Inhalte nicht auf großer Recherche- und Analysekunst beruhen, sondern zum Teil Paraphrasierungen deutscher Leitartikel sind. Bei anderen Berichten, die sich etwa mit Iran befassen, ist es ein wenig brisanter.

          Folgen für die Weltdiplomatie

          Das dürfte auch der eigentliche Grund dafür sein, dass in Berlin keiner Öl ins amerikanische Feuer gießen will. Die Sorge ist groß, dass die Veröffentlichung die Grundlage und Arbeitsweise der Diplomatie der Vereinigten Staaten und damit letztlich der Weltdiplomatie beeinträchtigt.

          Denn wer redet noch mit Diplomaten, wenn er fürchten muss, seine vertraulichen Informationen könnten nebst Quelle wenig später detailreich für jeden im Internet zugänglich sein? „SIPRNet“ ist damit zu einem manifesten Sicherheitsproblem für Amerika geworden - also zum Gegenteil dessen, was es sein sollte.

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