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„Wikileaks“-Veröffentlichungen : Assange droht mit neuen Enthüllungen

  • Aktualisiert am

Julian Assange Bild: AFP

Nach der Veröffentlichung von 250.000 vertraulichen Dokumenten amerikanischer Diplomaten nimmt „Wikileaks“ schon die nächste Aktion ins Visier: Anfang 2011 solle eine amerikanische Großbank zum Ziel werden, kündigt der Gründer der Plattform, Assange, an, dem mittlerweile eine Anklage droht.

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          Die Internetplattform Wikileaks plant die nächste große Veröffentlichung. Anfang nächsten Jahres solle eine amerikanische Großbank zum Ziel werden, sagte Assange in einem Interview des amerikanischen Magazins „Forbes“. Es gehe „um zehntausende oder hunderttausende Dokumente, je nach Definition.“ Es handle sich dabei um ein „Megaleak“. Die geplante Offenlegung des Materials eröffne „wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten“, sagte der Wikileak-Gründer weiter. „Man kann es das Ökosystem der Korruption nennen.“

          Die Dokumente enthüllten „ungeheuerliche Übertretungen“ und „unethische Praktiken“. Gegenstand des Materials seien aber auch „die unterstützenden Entscheidungsstrukturen und die interne Ethik des Managements“. Assagne betonte jedoch, dass noch unklar sei, ob es sich hier um kriminelle Vorgänge handele.

          Assange droht Anklage

          Nach der Veröffentlichung vertraulicher Berichte des amerikanischen Außenministeriums prüft Australien strafrechtliche Schritte gegen den Mitbegründer des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange. „Wir glauben, dass es eine Reihe von Gesetzesverstößen gegeben haben könnte“, sagte Generalstaatsanwalt Robert McClelland am Montag in Canberra. „Die australische Bundespolizei hat das im Blick.“

          „Wikileaks“-Veröffentlichungen : Assange droht mit neuen Enthüllungen

          Für den australischen Staatsbürger Assange werde es in seinem Heimatland keinen sicheren Hafen geben. Wo sich Assange derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Schwedens Justiz lässt international nach dem 1971 geborenen Australier fahnden. Gegen ihn wird dort wegen des Verdachts der Vergewaltigung und sexueller Nötigung von zwei Frauen ermittelt.

          Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton kündigte „entschlossene Schritte“ gegen jene undichte Stellen im amerikanische Regierungsapparat, die Wikileaks die vertraulichen Dokumente zugespielt hätten. Die Veröffentlichung der Dokumente sei ein Angriff auf Amerika und die internationale Gemeinschaft. Zugleich kündigte sie verstärkte Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Regierungsdokumenten im eigenen Haus, im Verteidigungsministerium „und anderswo“ an.

          Zuvor hatte das Weiße Haus in Washington die am Veröffentlichungen der 250.000 Berichte des Außenministeriums als „rücksichtslos“ und „gefährlich“ bezeichnet. Die Publikation der vertraulichen und teils geheimen Dokumente gefährde weltweit Regimekritiker und Oppositionsführer, die im Kontakt mit amerikanischen Diplomaten stünden, sagte ein Sprecher von Präsident Barack Obama.

          Westerwelle: „Klatsch- und Tratschgeschichten“

          Die Bundesregierung hat empört auf die Veröffentlichung geheimer Papiere durch Wikileaks reagiert. Zugleich aber versicherten Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Regierungssprecher Steffen Seibert, dass die mehr als 1700 Depeschen der Berliner Botschaft der Vereinigten Staaten unter anderem über deutsche Politiker keine nachteiligen Auswirkungen auf das deutsch-amerikanische Verhältnis haben werden.

          Westerwelle sagte am Montag, die Veröffentlichungen seien „ein bedauernswerter Vorgang“. Er könne „nur hoffen“, dass kein Schaden für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und für die Sicherheit verbündeter Staaten und befreundeter Personen entstehe. Die Veröffentlichungen würden im Auswärtigen Amt nunmehr geprüft und bewertet. Es gelte aber: „Wir arbeiten mit der amerikanischen Regierung eng und freundschaftlich zusammen - und das wir auch so bleiben.“ Westerwelle bestätigte einen Anruf der amerikanischen Außenministerin. Den amerikanischen Botschafter Murphy erwähnte er nicht. Murphy hatte sich zur Veröffentlichung seiner Einschätzungen im „Spiegel“ geäußert : „Vielleicht wird es hier und da ein wenig zerschlagenes Porzellan geben“.

          Westerwelle sprach von „rechtswidrig erworbenen Daten, mit denen jetzt Geld gemacht werden soll“. Zu den Einschätzungen, die der amerikanische Botschafter in Berlin, Murphy, 2009 über Westerwelle und andere Politiker nach Washington gesandt hatte, sagte er, es handele sich „um Klatsch- und Tratschgeschichten“, die außerdem teilweise falsch seien. So sei er nicht, wie dort geschildert, gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle.

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