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Wikileaks-Veröffentlichung : Im Krieg der Hacker

Wer wollte also ausschließen, dass die Daten manipuliert wurden? Bild: dpa

Was die CIA kann, das können auch andere: Wikileaks zeigt mit dem neuen Datenleck vor allem die Möglichkeiten von Hackern auf. Jetzt geht es aber auch um eine andere Frage: Wer profitiert davon?

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          Wer noch gedacht hatte, das Internet sei sicher, der lebte in der guten alten Science Fiction. Deren Phantasien hat die Wirklichkeit längst eingeholt. Was „Wikileaks“ jetzt über die Hacker-Software der CIA veröffentlicht hat, ist deshalb wohl eine Sensation, aber keine Überraschung. Geheimdienste, die Auslandsspionage betreiben, also die Gesetze fremder Staaten systematisch brechen, werden sich die Möglichkeiten nicht nehmen lassen, die sich ihnen in der digitalen Welt bieten.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Den amerikanischen und den „befreundeten“ Diensten sollten schon durch die Snowden-Enthüllungen die Flügel kräftig gestutzt werden. Da ging es um die Überwachung von Kommunikation, die jetzt auch wieder eine Rolle spielt. Diese oder die Spionage via „Internet der Dinge“ unterbinden zu wollen, ist aber illusorisch. Sie lässt sich erschweren. Ausschließen lässt sie sich aber nur dort, wo es kein Internet gibt. Also auf dem Mond.

          Der Schaden für die CIA ist immens. Das ist ja wohl auch die Absicht hinter der Sabotage der „Enthüller“ gewesen. Es wäre wohl zu viel verlangt, von der CIA zu erwarten, dass sie dabei hilft, Sicherheitslücken von Software-Programmen zu schließen. Aber ist es im Interesse Amerikas und seiner Partner, neue Lücken zu schaffen, auch noch dadurch, dass die CIA ihren Cyberwar mit Hackern führt, deren Interessen in Teufels Hand liegen? Durch die Veröffentlichung der Daten haben Apple und andere Unternehmen immerhin Glück im Unglück: Sie wissen nun endgültig, was ihnen droht.

          Eine ganz andere, mindestens so ernste Bedrohung besteht darin, dass es Leute gibt, die so gut hacken können wie die CIA – sonst wären, wenn nicht ein Doppelagent am Werk war, die Daten nicht bei „Wikileaks“ gelandet. Dass es sich dabei um einen zweiten Snowden handeln soll, ist nur ein schwacher Trost; schon an den hehren Absichten und am politischen Instinkt des ersten bestehen berechtigte Zweifel. Niemand weiß also, woher die Daten stammen, vielleicht weiß es nicht einmal „Wikileaks“ selbst. Wer wollte also ausschließen, dass die Daten manipuliert wurden?

          Die Enthüllungsplattform Julian Assanges ist den Weg jedes naiven Fanatismus’ gegangen, nämlich in die Fänge politischer Heuchler. Assange ist deshalb – wie auch Snowden – zum Briefkasten russischer Interessen geworden. Schon die NSA-Affäre begleitete die Frage: Cui bono? Vielleicht hat Donald Trump ausnahmsweise ja mal eine durchdachte Antwort darauf.

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