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Wikileaks : Amazon sperrt Server - Drohungen gegen Assange

  • Aktualisiert am

Weiter im Visier der Amerikaner: Wikileaks-Gründer Julian Assange Bild: dapd

Wikileaks gerät zunehmend in Bedrängnis. Amazon hat die Enthüllungsplattform offenbar auf politischen Druck von seinen Servern verbannt. Wikileaks-Gründer Assange hält sich angeblich in England auf. Derweil wurden Details über ein angeblich gespanntes amerikanisch-russisches Verhältnis bekannt.

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          Die Enthüllungsplattform Wikileaks gerät in den Vereinigten Staaten immer stärker unter Beschuss. Die Internet-Aktivisten verloren den Zugang zu ihrem bisherigen amerikanischen Server und suchen jetzt eine Internet-Heimat in Europa. Der amerikanische Senator Joe Lieberman rief indes andere Länder und Unternehmen zum Boykott von Wikileaks auf. Wikileaks-Gründer Julian Assange, der auf den Fahndungslisten von Interpol steht, soll sich derweil nach einem Zeitungsbericht in Großbritannien aufhalten.

          Kurz zuvor hatte das Internet-Unternehmen Amazon die Wikileaks-Dokumente von seinen Servern verbannt. Die Internet-Aktivisten hatten bei der Veröffentlichung der geheimen diplomatischen Depeschen auf den Amazon Web Service (AWS) zurückgegriffen, um die hohen Zugriffszahlen auf die Dokumente bewältigen zu können.

          „Kein Unternehmen sollte Wikileaks helfen“

          Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf das Büro Liebermans, Amazon habe die Nutzung seiner Server durch Wikileaks gestoppt, nachdem Mitarbeiter von Lieberman Nachforschungen angestellt hätten. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz hatte Amazon mit einem Boykott gedroht, berichtete der britische „Guardian“. „Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen klassifizierter Informationen durch Wikileaks“, sagte der Senator. Lieberman rief derweil dazu auf, der Plattform auch in anderen Länder die Nutzung zu Servern zu verwehren.

          Wikileaks : Amazon sperrt Server - Drohungen gegen Assange

          Wikileaks-Gründer Assange, der wegen Vergewaltigungsverdachts von den Behörden in Schweden gesucht wird, steht auf der Fahndungsliste von Interpol. Nach einem Bericht der britischen Zeitung „Independent“ hält sich der Australier in Großbritannien auf. Der genaue Ort sei Scotland Yard bekannt. Der Internet-Aktivist hat die Ermittlungen in Schweden stets als Intrige seiner Gegner bezeichnet.

          Unterdessen wies das höchste schwedische Gericht am Donnerstag den Antrag von Assanges Anwalt auf Widerspruch gegen den Haftbefehl zurück. Damit bleiben die Haftbefehle aus Schweden sowie von Interpol bestehen. Assange hat die Vergewaltigungsvorwürfe zurückgewiesen.

          Schutz der amerikanischen Datenbanken geprüft

          Die amerikanische Regierung prüft derweil den Schutz ihrer Datenbanken umfassend. Als entsprechender Sonderbeauftragter sei der stellvertretende Direktor des Zentrums für Anti-Terror-Maßnahmen, Russell Travers, ernannt worden, teilte das Weiße Haus mit. Travers sei dafür verantwortlich, „notwendige Strukturreformen“ zu entwickeln, die nach der Offenlegung der Botschaftsberichte durch Wikileaks nötig geworden seien. Washington will auch die Wege überprüfen lassen, wie die gesamte Regierung Informationen austauscht und schützt.

          Die amerikanische Regierung kündigte zudem an, für die Sicherheit von Dissidenten und Aktivsten sorgen zu wollen, sollten sie durch die Wikileaks-Veröffentlichung in Gefahr geraten. „Wir haben alles unternommen, mit ihnen in Kontakt zu treten“, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley. „Wir stehen bereit, sie zu beschützen, wenn das notwendig werden sollte.“

          Spanischer Staatsanwalt sieht Russland als „Mafiastaat“

          Unterdessen wurde aus einem über Wikileaks veröffentlichten Dokument bekannt, dass die Vereinigten Staaten bei der Zusammenarbeit mit Russland in Verteidigungsfragen offenbar keine wesentlichen Fortschritte seit dem Kalten Krieg sehen. In der Depesche, die vergangenes Jahr von der amerikanischen Botschaft in Moskau verfasst wurde, wird die Kooperation bei Angelegenheiten der Verteidigung zwischen den beiden Ländern zwar als nützlich beschrieben, diese würde aber durch „einen Mangel an russischer Transparenz und Wechselseitigkeit“ behindert.

          Dem Dokument zufolge sehen amerikanische Diplomaten vor allem den Informationsaustausch mit Russland in der Verteidigungspolitik kritisch. So würde Russland den Vereinigten Staaten häufig den Einblick in Papiere von Lagebesprechungen verweigern und selten Besuche von Standorten außerhalb des Verteidigungsministeriums oder zu akademischen Institutionen mit einem Schwerpunkt auf Verteidigungsfragen gewähren.

          Aus einem anderen amerikanischen Dokument geht laut der britischen Zeitung „Guardian“ hervor, dass es sich nach Ansicht des spanischen Staatsanwaltes José Gonzalez bei Russland „quasi“ um einen „Mafiastaat“ handle, dessen Politiker „Hand in Hand“ mit der organisierten Kriminalität kooperierten. Dem Dokument zufolge greifen russische Behörden auf die Mafia zurück, um bestimmte Handlungen vornehmen zu können, die Russland „korrekterweise nicht als Regierung“ vornehmen könne. Einer weiteren Depesche zufolge, aus welcher der „Guardian“ zitierte, wusste Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin zudem von den Mordplänen an dem russischen ehemaligen Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in London an einer Vergiftung starb.

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