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Putins Lokalpolitik : Volk, wir müssen reden

Verschiedene Welten: Demonstranten und Sicherheitsleute stehen sich am Dienstag bei Protesten in Jekaterinburg gegenüber. Bild: AFP

Bürger in Russland protestieren gegen zwei Bauvorhaben: eine Kirche in Jekaterinburg und eine Mülldeponie in der Taiga. Nun greift Putin höchstpersönlich ein.

          3 Min.

          Am Donnerstag trat Russlands Präsident in einer Rolle auf, die er auf innenpolitischer Bühne oft ausfüllt: als Schlichter. Auf einem Forum unter dem Motto „Wahrheit und Gerechtigkeit“ äußerte sich Wladimir Putin zu den beiden Streitthemen, die abseits des vom Kreml kontrollierten Fernsehens gerade am meisten beachtet werden. Gegen den Bau einer Kirche in Jekaterinburg und die Anlage einer Mülldeponie im Gebiet Archangelsk gibt es Proteste, die vor allem über soziale Medien bekannt werden. Putin ordnete nun an, jeweils die Meinung der Anwohner einzuholen. Die Intervention zeigt die Dysfunktionalität des russischen Machtsystems, in dem Regeln wenig zählen, solange Widerstand schwach bleibt, und in dem die Bevölkerung Staatsvertretern kaum vertraut.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          In Jekaterinburg soll auf einem zentralen Platz eine Kirche entstehen, formal statt einer Kathedrale, die zu Stalins Zeit in der Nähe abgerissen wurde. Die Bauarbeiten sollten nun beginnen, Zäune wurden aufgestellt. Doch vor allem junge Leute gehen dagegen auf die Straße, protestieren seit Montag täglich für den Erhalt des öffentlichen Platzes, der an einer Jogging- und Flaniermeile am Stadtteich liegt. Insgesamt wurden mehr als hundert Demonstranten festgenommen, mehr als zwei Dutzend von ihnen zu Arreststrafen von bis zu 15 Tagen verurteilt.

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