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Österreichs Innenminister : An vorderster Front der Terrorbekämpfung

Karl Nehammer Bild: EPA

Er steht für einen harten Kurs in der Migrationspolitik, nicht immer zur Freude des Koalitionspartners. Nach dem Anschlag in Wien ist der österreichische Innenminister Karl Nehammer zusätzlich gefordert.

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          In Zeiten des Terrors sind Innenminister besonders gefordert. „Wer einen von uns angreift, greift uns alle an.“ Mit dieser Aussage reagierte Karl Nehammer noch in der Nacht zu Dienstag auf den Terrorangriff von zumindest einem IS-Sympathisanten in der Wiener Innenstadt. Es sei eine schwere Situation für alle, welche gemeinsam zu stemmen sei, wenn sich die Bürger diszipliniert verhielten. In diesem Sinn wurden am Dienstag die Bewohner der Bundeshauptstadt aufgefordert, zu Hause zu bleiben.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Offenbar rechnet der für die Sicherheit Österreichs verantwortliche Minister der Regierung aus ÖVP und Grünen mit einer anhaltenden Gefährdung. Dass das Risiko eines Anschlags auch in Österreich bestand, war angesichts der Menge der dort lebenden militanten Muslime keine Überraschung. Auch Nehammer hat sich damit wohl schon länger auseinandergesetzt. Als Integrations- und Migrationssprecher verteidigt er dabei gerne und in für ihn typischer höherer Lautstärke den Kurs der Vorgängerregierung aus ÖVP und FPÖ. Er selbst amtiert seit bald einem Jahr.

          Vertrauter des Kanzlers

          Der gebürtige Wiener war bis zur Bildung der Regierungskoalition mit den Grünen Generalsekretär der Volkspartei und ist ein enger Vertrauter des Bundeskanzlers Kurz. Das Thema Sicherheit und Landesverteidigung interessiert ihn sehr. Schließlich diente er nach dem Präsenzdienst als Berufssoldat und brachte es zum Leutnant. Nach dieser Phase arbeitete er als Trainer für strategische Kommunikation. Studiert hat Nehammer politische Kommunikation. Die dort gewonnenen Erfahrungen qualifizierten ihn als Mitarbeiter beim Aufbau der Freiwilligen-Mobilisierung in der ÖVP-Zentrale im Jahre 2007.

          Auch vor drei Jahren zog Nehammer mit Werbematerial als Unterstützer von Kurz durch Wien, absolvierte Hausbesuche und hängte Plakate in Schaufenstern auf. Politische Beobachter schrieben ihm einen großen Anteil daran zu, dass die ÖVP bei den vorgezogenen Wahlen ein gutes Ergebnis erreichte und Kurz ins Kanzleramt zurückkehren konnte.

          Nehammer beschreibt sich als bürgerlich, liberal und christlich-sozial. Mitbekommen hat der 48 Jahre alte Politiker dieses Wertesystem bereits im Elternhaus. Dort, in Wien-Meidling, wo Jahre später auch Kurz aufwachsen sollte, waren ÖVP-Granden wie Julius Raab, Leopold Figl, Leopold Kunschak oder Alois Mock zu Gast, um mit den Nehammers zu politisieren. Damit war der nunmehrige Innenminister früh geprägt.

          In der ÖVP ist der verheiratete Vater von zwei Kindern dafür bekannt, einen harten Migrationskurs zu vollziehen. Das tut er auch, wenn der Koalitionspartner anderer Meinung ist und die Grenzen öffnen will. Der Terroranschlag liefert ihm dafür neue Munition.

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