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Wiederholte Bürgermeisterwahl : Erdogan gratuliert Imamoglu zum Wahlsieg in Istanbul

Verlierer des Tages: Erdogans Kandidat unterlag in Istanbul auch im zweiten Anlauf Bild: AFP

Auch bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul kann Erdogans AKP-Kandidat Yildirim nicht gewinnen. Sein Sieg sei ein „neuer Beginn“ für die Türkei, sagte Oppositionskandidat Imamoglu.

          Der Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP), Ekrem Imamoglu, hat die Wiederholung der Oberbürgermeisterwahl in Istanbul gewonnen. Sein Sieg sei ein „neuer Beginn“ für die Türkei, sagte Imamoglu in seiner Dankesrede am Sonntagabend. „Nicht eine einzelne Partei, sondern ganz Istanbul und die Türkei haben diese Wahl gewonnen.“ Für die AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bedeutet der Sieg des CHP-Kandidaten den Verlust der Macht in der 16-Millionen-Einwohner-Stadt nach einem Vierteljahrhundert.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Vor der Wahl hatte er mehrmals gesagt: „Wer auch immer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“. Am Sonntagabend schrieb Erdogan auf Twitter, der „Wille des Volkes“ habe sich abermals gezeigt. „Ich gratuliere Ekrem Imamoglu, der laut den inoffiziellen Ergebnissen die Wahl gewonnen hat.“

          Imamoglu hatte schon die erste Wahl am 31. März für sich entschieden, damals mit dem knappen Vorsprung von 13000 Stimmen. Auf Antrag der AKP war die Wahl jedoch am 6. Mai vom Obersten Wahlrat aufgrund formaler Fehler bei der Besetzung einiger Wahlkomitees annulliert worden. In der Rede in seinem Wahlkampfhauptquartier dankte Imamoglu den Bewohnern Istanbuls dafür, dass sie die „jahrhundertealte demokratische Tradition der Türkei“ verteidigt hätten.

          Ekrem Imamoglu wird neuer Bürgermeister der 16-Millionen-Einwohner-Stadt Istanbul

          Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Imamoglu laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bei etwa 54 Prozent. Sein Gegenkandidat, der frühere Ministerpräsident Binali Yildirim von der AKP, kam auf rund 45 Prozent. Die Wahlbeteiligung wurde mit knapp 84 Prozent angegeben. Türkische Medien berichteten, Imamoglu habe auch in mehreren konservativen Stadtteilen deutlich vor Yildirim gelegen, etwa in Eyüp, Fatih oder Üsküdar. Der AKP-Kandidat gewann demnach nur in zwölf der 39 Distrikte Istanbuls.

          Yildirim gestand seine Niederlage umgehend ein und gratulierte Imamoglu ebenfalls. „Wir werden ihn bei seinen Bemühungen unterstützen“, sagte der frühere Ministerpräsident. Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, dass die AKP eine Niederlage in Istanbul nicht akzeptieren würde. Erdogan hatte in den Tagen vor der Wahl mögliche rechtliche Schritte gegen Imamoglu angedeutet, weil dieser den Gouverneur der Provinz Ordu beleidigt haben soll. Yildirim sagte nun, die Wahl habe gezeigt, dass die Demokratie in der Türkei perfekt funktioniere.

          Imamoglu kündigte am Sonntagabend an, dass Verschwendung und Arroganz enden würden. „In Istanbul wird es Gerechtigkeit und Toleranz geben.“ Seit 1994 hatten Bürgermeister der AKP beziehungsweise ihrer Vorgängerparteien in Istanbul regiert. Imamoglu war seit 2014 Stadtteilbürgermeister von Beylikdüzü gewesen.

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