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Kampf gegen Corona : Wie gut wirkt der Impfstoff aus Oxford?

Lockerungen in Sicht: In Regionen mit wenigen Fallzahlen will die britische Regierung den Lockdown abschwächen. Bild: AFP

Großbritannien schwächt den Corona-Lockdown demnächst ab. Das Land hofft auf einen in Oxford entwickelten Impfstoff. Dessen Wirksamkeit ist jedoch umstritten.

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          Nach vier Wochen werde der neue Lockdown enden, hieß es bei seiner Einführung Anfang November. Formal hält die britische Regierung Wort, allerdings ändert sich damit für viele Menschen wenig. Premierminister Boris Johnson kündigte am Montag im Unterhaus an, der zweite Lockdown werde schon kommende Woche durch das bereits bekannte, leicht verschärfte „Drei-Stufen-System“ abgelöst. Dieses bedeutet zumindest für jene, die unter Stufe drei leben müssen, weiterhin herbe Einschränkungen. Die Regierung hatte allerdings auch Erfreuliches zu berichten. Am Morgen war bekanntgeworden, dass ein an der Universität Oxford hergestellter Impfstoff dem Anschein nach ähnlich wirksam ist wie die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna; das bezeichnete Johnson als „unglaublich aufregend“. Dann verbreitete der Premierminister auch noch Hoffnung, dass für die Weihnachtstage barmherzige Ausnahmen eingeführt werden. „Normal“ werde das Fest aber nicht, sagte er.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die größte Veränderung hält die ab 2. Dezember geltende Neuregelung für den sogenannten nichtessentiellen Einzelhandel bereit. Alle Geschäfte in England dürfen dann wieder öffnen. In den vergangenen Wochen war nur ein „Click-and-Collect-Service“ erlaubt: Die Kunden konnten die Waren online bestellen und sich später an der Ladentür aushändigen lassen. In der Adventszeit wird nun ein etwas normalerer Einkauf von Weihnachtsgeschenken möglich sein, wenn auch nur mit Maske und einer begrenzten Zahl von Kunden, die gleichzeitig im Raum sein dürfen. Zugleich dürfen Fitnessstudios wieder öffnen. Dies gilt auch in den Stufe-drei-Zonen. In diesen Gebieten mit „sehr hohen“ Infektionsraten sollen außerdem die Massentests ausgedehnt werden, nachdem das Pilotprojekt in Liverpool erfolgreich verlaufen ist.

          Drei Stufen der Restriktionen

          Geschlossen bleiben in den Stufe-drei-Gebieten die Pubs, „Gastro-Pubs“, die warmes Essen servieren. Andere Restaurants dürfen öffnen, aber an den Tischen nur Mitglieder eines Haushalts bedienen. Zudem wird die Sperrstunde – im ganzen Land – von 22 Uhr auf 23 Uhr verlegt. Den Bürgern bleibt es gleichwohl untersagt, Mitglieder eines anderen Haushalts in einer Wohnung zu treffen oder auswärts zu schlafen. Bis zu sechs Personen dürfen mit Abstand spazieren oder sich in der freien Natur treffen; auch sind wieder einige Sportarten erlaubt, die im Freien stattfinden können, wie Tennis oder Golf. In Zonen der Stufe zwei sind Zusammentreffen von bis zu sechs Personen in privaten Gärten zulässig. In der Stufe-eins-Zone dürfen sich bis zu sechs Personen auch drinnen treffen.

          Welche Städte und Landkreise wie klassifiziert werden, will die Regierung im Laufe der Woche bekanntgeben. Bis dahin soll auch Klarheit herrschen, welche Ausnahmeregelungen für die Weihnachtszeit gelten. Erwogen wird offenbar, bis zu fünf Tage lang das Zusammentreffen von drei bis fünf Haushalten in geschlossenen Räumen zu erlauben. London arbeitet daran, mit den Regierungen in Schottland, Wales und Nordirland eine gemeinsame Regelung zu finden. Bisher beharrten deren Ministerpräsidenten auf einer eigenen Corona-Politik. In der kommenden Woche wird das Unterhaus über die neuen Maßnahmen für England abstimmen. Die Zahl der Kritiker in der Regierungspartei hat sich auf etwa 70 erhöht.

          Auf Vorrat bestellt

          Der in Oxford hergestellte und mit dem schwedisch-britischen Pharmakonzern Astra-Zeneca produzierte Impfstoff soll bis zu 90 Prozent Schutz bieten. Zunächst hieß es, die Substanz habe eine durchschnittliche Effizienz von 70 Prozent. Doch schnelle diese Rate in die Höhe, wenn bei der ersten der zwei Impfungen nur die Hälfte gespritzt werde. Wissenschaftler erklärten am Montag, die reine Effizienzrate sollte nicht überschätzt werden; entscheidend sei auch die Dauer des Schutzes, die bei den konkurrierenden Impfstoffen noch unbekannt sei.

          Die Regierung hatte schon vor Monaten 100 Millionen Dosen in Oxford vorbestellt, deutlich mehr als bei Pfizer und Moderna. Als Vorteil gilt, dass der Impfstoff relativ billig ist und keine extreme Kühlung braucht, was Lagerung und Verteilung stark vereinfacht. Bis zu vier Millionen Dosen sollen noch in diesem Jahr an den nationalen Gesundheitsdienst ausgeliefert werden. Ein Mitarbeiter des Forschungsteams in Oxford sagte, bis zum Frühsommer könnten alle Briten geimpft sein. Bis Ende 2021 würden drei Milliarden Dosen für den internationalen Markt produziert.

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