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Venezuela in der Krise : Die Begeisterung ist abgeklungen

Kinder spielen, während Familien in der Schlange stehen, um von Hilfsorganisationen eine warme Mahlzeit zu erhalten. Bild: Oscar Castillo

Viele Venezolaner setzten ihre Hoffnungen auf den Übergangspräsidenten Guaidó – doch bisher konnte er kein Versprechen erfüllen. Bald könnte in dem Land die Lebensmittelversorgung zusammenbrechen, weil der Treibstoff ausgeht.

          6 Min.

          Vor einem halben Jahr wurde Juan Guaidó, der junge venezolanische Parlamentspräsident, von der oppositionell dominierten Nationalversammlung zum Übergangspräsidenten ausgerufen. Rund 50 Regierungen erkennen ihn als solchen an. Guaidó trieb Massen auf die Straßen und das autokratische Regime von Präsident Nicolás Maduro an den Rand des Zusammenbruchs. Doch sechs Monate nach dem Aufstand ist die Begeisterung abgeklungen. Guaidó hat noch keines seiner gesetzten Ziele erreicht: weder den Sturz der Regierung von Maduro noch eine Übergangsregierung oder gar Neuwahlen. Und nach mehreren gescheiterten Versuchen scheint in Venezuela wie im Ausland die Mobilisierung erschöpft.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Nach anfänglichen Schlagzeilen ist es ruhig geworden um Guaidó. Der Übergangspräsident sucht Zuflucht in Durchhalteparolen, die er seit Wochen wiederholt. Zwar steht laut Umfragen immer noch mehr als die Hälfte der Venezolaner hinter ihm. Doch nur noch ein Viertel glaubt, dass ein baldiger Umsturz möglich ist, wie Guaidó ihn verspricht. Als er im Januar zum Gegenspieler Maduros erhoben wurde, hegten noch fast zwei Drittel diese Hoffnung. Doch sie zerschlug sich bei vielen mit dem gescheiterten Putschversuch Ende April, als es Guaidó nicht gelang, die Armee auf seine Seite zu ziehen. Guaidó fährt durch Caracas und die Städte des Landes, um die Leute wieder zu mobilisieren. Doch das ist nicht mehr so einfach wie noch im Februar.

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