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Russische Internetpropaganda : Die Trolle des Kremls

Die Journalistin besprach sich mit Juristen, mit Freunden. Sie hebt hervor, dass sie nicht allein ist, sondern Teil eines Netzwerks, das sich dem Kampf gegen die Trolle verschrieben hat. Ende vorigen Jahres gründeten sie die Gruppe „Informationsfrieden“, mit anderen Journalisten und Menschenrechtsschützern. Sie soll einen Gegenentwurf zum „Informationskrieg“ der Führung darstellen, aufklären über die Methoden der Propaganda. In deren Arsenal ist das Fernsehen zwar viel wichtiger. Aber die Aufgabe der Trolle ist die Fortsetzung der Linie der vom Kreml kontrollierten Medien im Internet, das für manche immer noch als Hort authentischer Meinungsäußerung gilt und gerade für junge Leute wichtig ist.

„Armee der Trolle“

„Für jedes Publikum gibt es etwas“, sagt Ljudmila Sawtschuk. Sankt Petersburg, diese Kulturhauptstadt, solle „das schreckliche Treiben einer extremistischen Organisation“ nicht dulden. „Die Trolle säen Hass unter den Volksgruppen, auf Andersdenkende, sie ändern das Bewusstsein. Das ist ein Verbrechen“, sagt Sawtschuk. Sie spricht von einer „Armee der Trolle“ auf Facebook, Twitter, YouTube, Livejournal, den russischen Netzwerken VKontakte und Odnoklassniki. Vom Hass, der aus dem Internet auf die Straßen überschwappe.

Auf eine Ausschreibung im Internet bekam sie die Stelle in der Sawuschkina-Straße. Von Anfang Januar bis zum 11. März arbeitete sie als Bloggerin in dem klotzigen Bürogebäude mit der Hausnummer 55. Auf einem kleinen Schild draußen steht „Business Center“. Die Gardinen sind stets zugezogen. Gegenüber ist ein Geschäft für Jagdbedarf. Ein ruhiges Wohnviertel. Die Arbeit lief in Tages- und Nachtschichten. Zu Beginn jeder Schicht waren schon „technische Aufgaben“ da. Da stand, wer zu loben oder verfluchen sei und zu welchem Schluss der Leser kommen solle. Angefügt waren Links auf Inhalte von Kremlmedien wie RT oder Ria Nowosti und Schlüsselwörter, die verwendet werden mussten, damit der Post besser über die Suchmaschinen zu finden ist.

Firmensitz: In diesem Petersburger Haus arbeiten die „Trolle“.

Nicht immer ging es unmittelbar um Russland. Am 7. Januar etwa, nach den Morden an den Mitarbeitern von „Charlie Hebdo“, richtete sich die „technische Aufgabe“ darauf, die französischen Behörden zu kritisieren, die den Terroristen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Eine typische Anweisung war etwa: „Negative Einstellung zur Politik der USA, die sich in der Destabilisierung der Situation in der Ukraine ausdrückt.“

Zu großer Form liefen die Blogger nach dem Mord an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow auf. Eine Anweisung am 28. Februar, dem Tag nach der Tat, lautete: „Wir kommen zu dem Schluss, dass der Mord an dem Oppositionellen Nemzow der Regierung nicht nutzt, dass offensichtlich eine Provokation dahinter steckt.“ Eine weitere: „Wir bilden eine negative Einstellung zu Vertretern der Opposition, die versuchen, politische Vorteile aus dem Tod des Kampfgefährten zu ziehen.“

Eine weitere verpflichtete zu Posts, die behaupten sollten, „dass ukrainische Aktivisten in den Tod des russischen Oppositionellen verwickelt sein könnten“. Sowie: „Wir kritisieren westliche Politiker für die Einmischung in innere Angelegenheiten Russlands; sie versuchen den Mord an Nemzow zum Anlass zu nehmen, Druck auf Russland auszuüben.“ An anderer Stelle betraf die Anweisung eine „negative Einstellung zu antirussischer Politik europäischer Staaten; in Europa wird das freie Wort propagiert, tatsächlich aber werden Menschenrechte verletzt“.

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