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NS-Opfer in Spanien : Ein Land ringt mit der Erinnerung

Spätes Gedenken: Eufemio García bei der Verlegung des Stolpersteins für seinen Vater Bild: Felipe Nombela y David Arenal

In Spanien erinnern erste Stolpersteine an Menschen, die von den Nazis ermordet wurden – ob weitere folgen werden, ist bislang ungewiss. Den rechten Parteien ging die Erinnerungskultur zu weit.

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          Der Lärm der Autos auf der breiten Ausfallstraße übertönt die dumpfen Hammerschläge. Dann ragt ein Stein aus dem Bürgersteig. Seine Oberfläche aus Messing glänzt in der Frühlingssonne. „Hier wohnte Eufemio García García, ermordet am 19.12.1941 in Hartheim“, lautet die Inschrift. Die Tränen laufen dem alten Mann über das Gesicht, während er einen Strauß aus weißen und roten Nelken daneben legt. Eufemio García heißt wie sein Vater. Am Bahnhof des Konzentrationslagers Mauthausen hatte er ihn im August 1940 zum letzten Mal gesehen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der sechs Jahre alte Junge war zu klein für die Hölle – man brachte ihn nach Spanien zurück. Er musste 85 Jahre alt werden, bis wenigstens ein kleiner Stein den Namen seines Vaters trägt, der in einer Gaskammer in Österreich starb; 450 Einwohner Madrids wurden nach dem spanischen Bürgerkrieg in deutsche Konzentrationslager deportiert. An 12 von ihnen erinnern jetzt die ersten Stolpersteine, die der deutsche Künstler Gunter Demnig in der spanischen Hauptstadt verlegte. Mehr als 70.000 hat er schon auf der ganzen Welt angebracht.

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