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Exportverbote für Impfstoff : Einer für alle oder alle für sich?

Fragile Netzwerke: Ein Arbeiter lädt in Kanada eine Lieferung von Moderna in einen gekühlten Lieferwagen. Bild: Bloomberg

Die Impfkampagne stockt – dennoch wird etwa die Hälfte aller in der EU produzierten Impfstoffe exportiert. Was spricht gegen Exportverbote?

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          Die Europäische Union hinkt beim Impfen hinterher. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wurden bislang etwa 16 Prozent der Bevölkerung einmal gegen das Coronavirus immunisiert, in den meisten anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus. Während diese Quote sehr viel niedriger ist als etwa in Israel (etwa 61 Prozent), in Großbritannien (etwa 47 Prozent) oder in Amerika (etwa 36 Prozent), liegt Europa in einer anderen Hinsicht weit vorn: Etwa die Hälfte aller in der EU produzierten Impfstoffe werden exportiert. Allein seit Februar wurden nach Angaben der Europäischen Kommission etwa 43 Millionen Dosen in 33 verschiedene Länder ausgeführt. Mit fast elf Millionen Dosen steht Großbritannien dabei an der Spitze.

          Franca Wittenbrink
          Redakteurin in der Politik.

          Die Briten selbst behalten ihren Impfstoff hingegen weitestgehend für sich, ebenso wie die Vereinigten Staaten und mittlerweile auch Indien. Offiziell betonen diese Staaten zwar, keine Exportverbote verhängt zu haben. Tatsächlich aber haben sowohl Großbritannien als auch Amerika früh Verträge abgeschlossen, die Impfstoff-Hersteller dazu verpflichten, zunächst das jeweils eigene Land mit Vakzinen zu versorgen. Die Folge: Es wird nichts exportiert. Vor allem im Streit über die Lieferschwierigkeiten beim britisch-schwedischen Hersteller Astra-Zeneca, der seine Zusagen gegenüber der EU bislang nicht wie vereinbart erfüllt, führt das mittlerweile zu Unmut.

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