https://www.faz.net/-gpf-9j8zg

Mit 82 Jahren : Wie Berlusconi an seinem politischen Comeback arbeitet

Auf Wahlkampftour durch Italien: Silvio Berlusconi Bild: dpa

Die Fünf-Sterne-Bewegung verachtet Silvio Berlusconi. Sie ist in Umfragen weit vor seiner Forza Italia. Nun will der 82 Jahre alte Politiker seine Partei neu erfinden – mit blauen Westen.

          4 Min.

          Vor einem Vierteljahrhundert gab Silvio Berlusconi eine Erklärung an seine Landsleute ab: „Italien ist das Land, das ich liebe.“ Mit diesem Satz begann die denkwürdige neuneinhalb Minuten lange Videobotschaft, mit welcher der Bauunternehmer und Chef eines riesigen Medien-Imperiums seine beispiellose politische Laufbahn begann. Die Liebeserklärung an die Nation lief am 26. Januar 1994 als eine Art Endlosschleife auf Berlusconis eigenen Fernsehsendern, von halb sechs Uhr abends bis Mitternacht. Und auch im öffentlich-rechtlichen Sender Rai war sie immer wieder zu sehen und zu hören.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die italienischen Wähler erwiderten die innigen Gefühle des steinreichen Selfmademan und politischen Außenseiters, der die kommunistische Gefahr abzuwehren, die Steuern für alle zu senken und die verknöcherte Verwaltung auf Vordermann zu bringen versprach. Gleich im ersten Anlauf gelang Berlusconi 1994 mit seiner liberal-konservativen Sammelbewegung Forza Italia (FI) der Sprung an die Macht. 2001 und 2008 wiederholte er das Kunststück. Insgesamt gut neun Jahre regierte Berlusconi das Land, so lange wie kein anderer Ministerpräsident seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber er musste im Kampf um die Wählergunst auch Niederlagen einstecken. Zuletzt bei den Parlamentswahlen Anfang März 2018: Im rechten Parteienbündnis wurden Berlusconi und seine FI von Matteo Salvini und dessen nationalistischer Lega überflügelt, dazu stieg die von Berlusconi besonders verachtete linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung zur stärksten politischen Kraft auf.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.
          Zur Verteidigung gegen China bereit: Taiwans Präsidentin  Tsai Ing-wen bei einer Militärübung.

          Chinas Konflikt mit Amerika : Nach Hongkong jetzt Taiwan?

          Auch die militärischen Spannungen zwischen China und Amerika nehmen gefährlich zu. Ein gewaltsamer Konflikt der beiden Supermächte im südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen.
          Franziska Giffey (SPD)

          F.A.Z. exklusiv : Giffey wurde rechtswidrig bevorzugt

          Die Bundesfamilienministerin hätte für den Verstoß von Zitierregeln keine „Rüge“ durch die Freie Universität bekommen dürfen. Dafür fehlt es an einer Rechtsgrundlage, schreibt der Wissenschaftliche Parlamentsdienst des Berliner Abgeordnetenhauses.