https://www.faz.net/-gpf-a21m7

Grundsteinlegung Rama-Tempel : Modi inszeniert sich als Held der Hindus

„Erstes Monument der Hindunation“

Der Regierungschef präsentiert sich am Mittwoch als der große Held, der die Belange der Hindu-Mehrheit im Blick hat. Dabei dürften sie auch darüber hinwegsehen, dass es mit seiner Bilanz auf anderen Gebieten wie der Wirtschaftsentwicklung, dem Grenzkonflikt mit China und der Corona-Krise weniger rosig aussieht. Modis Kritiker sehen in dem Tempelbau allerdings vor allem einen weiteren Schritt, die rund 200 Millionen Muslime und andere Minderheiten zu unterwerfen und Indien von einem pluralistischen Staat zu einer Nation der Hindus zu machen. Als „erstes signifikantes Monument der Hindunation“ bezeichnet die Kommentatorin Saba Naqvi den Tempel in der Zeitung „The Indian Express“.

Die „Unterwerfung“ der Muslime hat dabei schon vor einigen Jahren mit vereinzelten Angriffen auf Angehörige der Glaubensrichtung begonnen. Immer wieder wurde Einzelnen unter ihnen die Misshandlung oder Schlachtung heiliger Kühe vorgeworfen. Ein weiterer Schritt war die Verabschiedung eines neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes im Dezember, das Muslime bestimmter Nachbarländer von der Erlangung der indischen Staatsbürgerschaft faktisch ausschließt. Nach der Verabschiedung hatten wochenlang Muslime und Aktivisten in Delhi und anderswo gegen das Gesetz demonstriert. Im Februar eskalierte der Streit. In einem Randgebiet Delhis kam es zu blutigen Ausschreitungen. Dutzende Menschen wurden getötet, die meisten waren auch diesmal Muslime.

Ausnahmezustand in Kaschmir

Ein weiterer Meilenstein in der Agenda der Hindunationalisten war zudem die Aufhebung der Teilautonomie der Unruheregion Kaschmir, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird. Der ehemalige Bundesstaat Jammu und Kaschmir wurde am 5. August 2019 in die zwei Territorien Jammu und Kaschmir sowie Ladakh aufgeteilt. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Grundsteinlegung in Ayodhya auf den Tag genau ein Jahr später stattfindet. Die Region befindet sich immer noch in einem Ausnahmezustand: Eine gewaltige Militärmacht sorgt für Ruhe, das Internet wird stark eingeschränkt, immer noch sind Hunderte Menschen in Haft oder unter Hausarrest. Darunter sind auch gemäßigte Politiker wie die ehemalige Landeschefin Mehbooba Mufti. Kaschmirs Kinder sind in den vergangenen zwölf Monaten kaum einen Tag in der Schule gewesen.

Die indischen Sicherheitskräfte versichern dabei, dass ihre Maßnahmen und die Neuordnung Kaschmirs zu einem deutlichen Rückgang der Gewalt geführt hätten. Doch dafür habe Kaschmirs Bevölkerung mit ihrer Freiheit bezahlt, sagen die Kritiker. Für sie ist die Region eine Art riesiges Freiluftgefängnis geworden. In Erwartung des Jahrestags haben die Behörden am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt Srinagar eine Ausgangssperre verhängt. Sie hätten Hinweise bekommen, wonach Separatisten und von Pakistan unterstützte Gruppen planten, den Jahrestag als „schwarzen Tag“ zu begehen, und dass es zu gewaltsamen Proteste kommen könnte. Die Ausgangssperre wird zwar am Mittwoch schon wieder etwas gelockert, nachdem es vorerst ruhig geblieben ist. Doch von dem Frieden und der versprochenen wirtschaftlichen Entwicklung ist Kaschmir immer noch weit entfernt.

Weitere Themen

Ein Rapper für Donald Trump

Wahl in Amerika : Ein Rapper für Donald Trump

Es gibt nur wenige berühmte, amerikanische Musiker, die sich offen hinter Präsident Donald Trump stellen. Nun bekommt der Republikaner Unterstützung von einem Rap-Star. Dieser lobt Trumps Pläne für Schwarze.

Topmeldungen

Der amerikanische Rapper Lil Wayne

Wahl in Amerika : Ein Rapper für Donald Trump

Es gibt nur wenige berühmte, amerikanische Musiker, die sich offen hinter Präsident Donald Trump stellen. Nun bekommt der Republikaner Unterstützung von einem Rap-Star. Dieser lobt Trumps Pläne für Schwarze.
Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.

Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.