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Mit Militär und Geheimdienst : Wie sich Erdogan Nordzypern untertan macht

Besuch vom Chef: Präsident Erdogan besucht am 20. Juli seinen Statthalter Tatar in Nordzypern Bild: AFP

Abhängig von Ankara war die international nicht anerkannte „Republik Nordzypern“ schon immer. Jetzt zieht der türkische Präsident Erdogan die Zügel nochmal an. Die Präsidentenwahl hat er in seinem Sinne „gedreht“.

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          Eine „Wiedervereinigung“ Zyperns gilt zwar schon lange nicht mehr als realistisch, doch immerhin wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder darüber verhandelt. Im April 2004 geriet eine Lösung sogar fast in Sicht. Mit dem „Annan-Referendum“, benannt nach dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, wäre eine Überwindung der Teilung möglich geworden. Doch während die Wählerschaft im türkischen Norden der Insel für den Plan stimmte, lehnte eine deutliche Mehrheit im griechischen Teil ihn ab. Man war dort nicht bereit, für die Einheit maßgebliche Kompromisse einzugehen, und lehnte auch eine Machtteilung mit den türkischen Zyprern ab.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der Annan-Plan war von dem damaligen türkischen Regierungschef Tayyip Erdogan, der seinerzeit noch einen EU-Beitritt der Türkei anstrebte oder dies zumindest vorgab, unterstützt worden. Inzwischen forciert Erdogan jedoch eine gegensätzliche Politik. Vor allem will er den Nordteil der Insel, die international nur von der Türkei anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“, völlig seiner Kontrolle unterwerfen. Zwar ist der 1983 ausgerufene kleine Quasistaat wirtschaftlich, militärisch und politisch seit jeher abhängig von der Türkei, doch war es den türkischen Zyprern stets gelungen, sich eine gewisse Handlungsfreiheit im Innern zu bewahren. So gibt es in Nordzypern immer noch Medien, die Erdogan offen kritisieren, ohne dafür als „Terrorhelfer“ weggesperrt zu werden.

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