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Repression in Putins Russland : Wenn die Mutter eingeschüchtert wird

Der letzte Protest, an dem Artjom Fenkin teilgenommen hatte: Demonstration für die Freilassung von Nawalnyj am 23. Januar in Moskau Bild: dpa

Der Kleinunternehmer Artjom Fenkin hat nach der Festnahme Alexej Nawalnyjs in Moskau protestiert. Er wollte das wieder tun, hat nun aber Angst um seine Mutter, die von vier Polizisten besucht wurde.

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          Als andere auf den Straßen Moskaus demonstrierten, von Polizisten verprügelt und in Arrestbusse gepfercht wurden, blieb Artjom Fenkin zu Hause in seiner Wohnung im Moskauer Umland und schämte sich. Eigentlich will der 36 Jahre alte Kleinunternehmer auch Gesicht zeigen. Nicht nur für die Freilassung des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalnyj, dessen Mitstreiter zu den Protesten aufriefen. Mit Nawalnyj sei er in manchem nicht einverstanden, sagt Fenkin. Aber er wolle, dass Gesetze in Russland geachtet würden. Er wolle der Staatsmacht, angefangen bei Präsident Wladimir Putin, zu verstehen geben, dass ihre Korruption der gesamten Wirtschaft schade. „Welche Wahl haben wir denn?“, fragt Fenkin. „Man muss auf die Straße gehen.“

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Es ist nicht so, dass Fenkin das Risiko scheut. Er hat 2019 für freie Wahlen zur Moskauer Stadtverordnetenversammlung demonstriert; das war auch damals schon gefährlich. Auch am 23. Januar war Fenkin dabei, als sich Tausende auf dem Moskauer Puschkin-Platz und in umliegenden Straßen versammelten, bei der ersten Protestaktion für Nawalnyjs Freilassung. Und eigentlich wollte er auch am vergangenen Sonntag protestieren. „Einerseits verstand ich: Da muss man hin“, sagt Fenkin. „Andererseits: Mama ist Mama.“

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