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EU-Gipfel : Wie Merkel und Macron Rutte und Orbán in die Schranken wiesen

Der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zur Abschlusspressekonferenz in Brüssel Bild: EPA

Frankreichs Präsident und die Bundeskanzlerin traten in Brüssel als Tandem auf. Ohne die beiden wäre der EU-Gipfel wohl misslungen. In der Beziehung zu Deutschland empfindet Frankreich nun eine neue Blütezeit.

          8 Min.

          In dicken Lettern und auf Deutsch steht am Mittwoch „Danke schön“ auf der Titelseite der französischen Zeitung Libération. Darunter sind Angela Merkel und Emmanuel Macron abgebildet. „Les Échos“ zeigt die Bundeskanzlerin und den Präsidenten ebenfalls auf der Titelseite mit der Überschrift: „Die Union, die vorankommt“. Die Einigung auf den europäischen Wiederaufbauplan, so der einhellige Tenor in der Presse, geht auf den unermüdlichen Einsatz des Duos zurück. „Wir bilden einen Block mit Kanzlerin Merkel“, twitterte Macron aus Brüssel, als die Verhandlungen mit den „frugalen Fünf“ gerade stockten. Auf die Strategie des „Blocks“ hatten sich die beiden schon vor dem offiziellen Gipfelauftakt verständigt, das bestätigt man im Elysée.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.
          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          92 Stunden lang traten sie als Paar auf, das nichts und niemand auseinanderdividieren konnte. Alle bilateralen, trilateralen und anderen Gesprächsformate bestritten sie gemeinsam. In Paris und Berlin verweist man darauf, dass dies ein Novum in der Geschichte der EU-Gipfeltreffen darstellt. Sogar der Drohung Macrons, den Gipfel frühzeitig zu verlassen, sekundierte Merkel. Beide verließen gemeinsam den Raum. „Ohne Macron und ohne Maske“ wolle sie nicht bleiben, so erinnert man sich in der französischen Delegation an ihre Worte. Macron hat auf diese Weise das Versprechen einlösen können, das er im Präsidentenwahlkampf im Frühjahr 2017 seinen Landsleuten gegeben hatte: Seite an Seite mit der Bundeskanzlerin die EU voranzubringen.

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