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Abschiebung verhindert : So hat Kolesnikowa Lukaschenka bloßgestellt

Marija Kolesnikowa ist Machthaber Lukaschenka ein Dorn im Auge. Bild: dpa

In Belarus demütigt Marija Kolesnikowa das Regime. Wie die Abschiebung der Widersacherin Lukaschenkas in die Ukraine scheiterte – und der Machthaber versucht, die Schlappe schönzureden.

          6 Min.

          Die Geschichte, wie das Regime von Diktator Aleksandr Lukaschenka versuchte, seine derzeit wichtigste Gegnerin aus Belarus in die Ukraine zu schaffen, hat zwei Ebenen. Die erste handelt nach dem, was am Dienstag zu erfahren war, vom Mut, von der Unbeugsamkeit und von dem – das ist mit Blick auf die Brutalität des Regimes nicht übertrieben – Heldentum der Marija Kolesnikowa. Auf deren Überrumpelung der Machthaber folgte der Versuch der Propaganda, das Geschehen als Fluchtversuch Kolesnikowas zu verkaufen. Diese Räuberpistole offenbart, wie kläglich es um Lukaschenka bestellt ist, dem nichts bleibt außer der Gewalt seiner Schergen und der Hoffnung auf Russland.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Kolesnikowa, ein Präsidiumsmitglied im Koordinationsrat der Lukaschenka-Gegner, war am Montagmorgen in Minsk von Unbekannten in einen Kleinbus gezerrt und davongefahren worden. Wenig später verschwanden auch Anton Rodnenkow, der Sprecher des Rats, und dessen Sekretär, Iwan Krawzow. Verschiedene Behörden stritten ab, die drei festgenommen zu haben; der Geheimdienst KGB lehnte einen Kommentar ab. Bis Dienstagmorgen galten die drei als verschollen. Dann tauchten Rodnenkow und Krawzow nach ukrainischen Angaben an einem Grenzkontrollpunkt im Norden des Landes auf. Insoweit wiederholte sich ein Szenario dafür, wie sich das Minsker Regime seiner Gegner entledigt: Schon kurz nach der Präsidentenwahl, deren Sieg Swetlana Tichanowskaja beansprucht, war Lukaschenkas Herausforderin samt Stabschefin nach Litauen gebracht worden. Vorige Woche wurden zwei andere Mitglieder des Präsidiums des Koordinationsrats, Pawel Latuschko und Olga Kowalkowa, nach Polen gezwungen.

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