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Technik aus Russland? : Nordkoreas fleißiger Helfer

„China hat jahrelang nichts getan, um solche illegalen Geschäfte zu unterbinden“, sagt David Albright, der frühere UN-Waffeninspekteur und Präsident des „Institute for Science and International Security“, das den Fall aufdeckte. Die Chinesen würden immer nur darauf verweisen, dass keine Exportanfrage gestellt worden sei – warum auch, wenn Güter ohne gehandelt werden können. Es fehlen Zollfahnder, wirksame Grenzkontrollen und Gesetze, die Unternehmenschefs für illegale Geschäfte direkt in Haftung nehmen.

Wer drückt beide Augen zu?

Bisher ist es umgekehrt: Wenn ein Grenzbeamter eine Ladung beschlagnahmt, kann er persönlich für den Schaden belangt werden, der durch eine verzögerte Lieferung entsteht. Albright hält es für plausibel, dass auch Raketenteile aus Russland über China nach Nordkorea gelangen, obwohl das Land eine direkte Grenze mit beiden Staaten teilt. „In China gibt es viel mehr Nordkoreaner, die auf solche Geschäfte spezialisiert sind“, sagt er.

Wie viel die Regierungen in Peking und Moskau von derlei Unterstützung für Nordkorea wissen, ob sie absichtlich beide Augen zudrücken, ist schwer zu sagen. Einerseits haben sie als Vetomächte im Sicherheitsrat allen bisherigen Sanktionen zugestimmt. Es ist ihr erklärtes Ziel, eine weitere Atommacht in der Nachbarschaft zu verhindern. Andererseits betrachten sie Nordkorea als Pufferstaat zum Süden der Insel, wo fast 30000 amerikanische Soldaten stationiert sind. Beide Regierungen sind deshalb nicht daran interessiert, das Regime in Pjöngjang zu schwächen.

China ruft nach jedem nordkoreanischen Raketentest zur „Besonnenheit“ und „friedlichen Konfliktschlichtung“ auf. Russland stellte nach dem ersten Test der Hwasong-14 sogar in Frage, dass es sich um eine Interkontinentalrakete gehandelt habe. Das eigene Frühwarnsystem habe nur eine maximale Höhe von 535 Kilometern gemessen, hieß es aus Moskau.

Hingegen bestätigten die Regierungen in Peking und Washington, dass die Rakete 2800 Kilometer erreichte, bevor sie wieder zur Erde zurückfiel. Es ist kaum vorstellbar, dass die Russen davon nichts mitbekamen. Aber es könnte sein, dass sie mehr über die Leistung und Herkunft der verwendeten Raketentechnik wissen, als die Welt erfahren soll.

DIA: Nordkorea steht vor Serienfertigung

Wenn Nordkorea wesentliche Bestandteile seiner mächtigsten Rakete aus Russland bezogen hat, liegt darin eine natürliche Grenze: Das Land kann aus eigener Fähigkeit keine Serienproduktion aufnehmen. Es ist abhängig von den Vorräten, die es besitzt, oder von weiteren Lieferungen.

Im Widerspruch dazu steht die jüngste Einschätzung des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA. Demnach soll das Land nur noch wenige Monate von einer Serienfertigung entfernt sein und schon im nächsten Jahr über einen einsatzfähigen Sprengkopf verfügen. Vielleicht weiß der Geheimdienst mehr; bisher ist von größeren Produktionsanlagen in Nordkorea öffentlich nichts bekannt. In der Vergangenheit hat die DIA auch schon öfter danebengelegen.

Ein Grund zur Beruhigung ist das nicht. Solange China und Russland die Sanktionen nicht wirksam durchsetzen, wird Kim Jong-un die Welt immer wieder mit neuen Raketen überraschen. Woher deren Teile stammen, kann ihm egal sein – solange er sie bekommt.

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