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Corona-Politik in China : Ein rotes Sternchen für jeden Geimpften

Schlange vor einem Impfzentrum in Fuyan am 15. Mai Bild: Reuters

In der chinesischen Stadt Tianjin sollen Staatsangestellte Bürger zu einer Impfung überreden. Doch viele Lehrer, Krankenschwestern und Kindergärtner sind davon wenig begeistert. Andere entwickeln kreative Ideen.

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          Chinas Impfkampagne treibt bisweilen seltsame Blüten. In der Hafenstadt Tianjin wurden jetzt Lehrerinnen, Kindergärtner, Krankenhausmitarbeiter und andere staatliche Angestellte aufgerufen, mindestens jeweils zwei Personen in ihrem Umfeld zur Corona-Impfung zu überreden. „Bitte nehmen Sie diese Arbeit sehr ernst“, heißt es in einem Schreiben der lokalen Seuchenschutzbehörde. Die „zuständigen Genossen jeder Arbeitseinheit“ sollen Buch darüber führen, ob die Quote erfüllt wird. Die Ergebnisse jeder Institution würden veröffentlicht, falsche Angaben seien „streng verboten“.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Wie genau diese Aufgabe erfüllt werden soll, ist den betreffenden Institutionen selbst überlassen. In einem Gymnasium wurden die Lehrer zum Beispiel aufgefordert, fremde Leute auf der Straße oder am Bahnhof anzusprechen und sie zu überreden, sich impfen zu lassen. In einer anderen Oberschule sollten die Lehrer ihre Schüler instruieren, deren Eltern zu überzeugen. Um den Anreiz zu erhöhen, bekommen Schüler, deren Eltern und Großeltern schon vollständig geimpft sind, dort den Titel des „Pioniers der Seuchenbekämpfung“ verliehen. Für jedes einzelne Familienmitglied gibt es ein rotes Sternchen. Ein Kindergarten wiederum wandte sich per E-Mail an die Eltern. Um den Erfolg ihrer Bemühungen zu dokumentieren, müssen die Staatsdiener die Geimpften um ein Foto ihres Impfzertifikats bitten. Darauf wird auch vermerkt, auf Initiative welcher Institution die Impfung erfolgte.

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