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Corona-Pandemie : Wie glaubwürdig ist Chinas Statistik?

Ein Chinese kehrt aus einem Beerdigungsinstitut in Wuhan mit einer Urne zurück, die die Asche eines Angehörigen enthält. Bild: EPA

Hat die Regierung in Peking die Zahl der Infizierten und Toten in der Corona-Pandemie geschönt? Der seit Langem bestehende Verdacht erhält neue Nahrung durch einen amerikanischen Geheimdienstbericht.

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          Lange Warteschlangen vor den Beerdigungsinstituten in Wuhan haben die chinesischen Behörden in den vergangenen Tagen in Erklärungsnot gebracht. Nach wochenlanger Ausgangssperre durften die Angehörigen erstmals die Urnen ihrer Verstorbenen abholen. Doch die große Zahl der Wartenden machte viele stutzig, zumal Sicherheitsleute versuchten, Fotos von den Schlangen zu verhindern. Ein Lastwagenfahrer erzählte der Zeitschrift „Caixin“, er habe allein einem der acht Beerdigungsinstitute innerhalb von zwei Tagen rund 5000 Urnen geliefert. Offiziell sind in Wuhan 2548 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Konnte es wirklich sein, dass so viele Menschen in der Elf-Millionen-Stadt zwischen Mitte Januar und Mitte März anderen Todesursachen erlegen waren? Die städtischen Behörden beharrten darauf, die reguläre Statistik der Todesfälle erst wie gewohnt im Juni zu veröffentlichen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Ausgerechnet im Ausland hat nun erstmals ein Regierungsvertreter Stellung zu den Zahlen genommen: Der chinesische Botschafter in Paris, Lu Shaye, sagte dem Sender BFM TV, rund 10.000 Menschen seien in Wuhan seit dem Beginn der Ausgangssperre an anderen Ursachen gestorben. Zum Vergleich: Im letzten Quartal 2019 wurden nach offiziellen Angaben 13.856 Verstorbene eingeäschert.

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