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Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

  • -Aktualisiert am

Täglich durchqueren zahlreiche Öltanker den Golf von Oman. Bild: EPA

Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.

          Im Golf von Oman brennt ein Tanker, und viele sehen sich bestätigt. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo erinnert daran, dass Iran im April gedroht habe, die Öllieferungen durch die Straße von Hormuz zu unterbrechen. Er sagt, nun arbeite Teheran daran, diese Drohung wahr zu machen. Washington bleibe gleichwohl – vorerst – bei seiner Beschränkung auf wirtschaftlichen und diplomatischen Druck.

          Auch manche amerikanischen Bündnispartner im Westen können jetzt sagen, sie hätten die jetzige Zuspitzung so kommen sehen und sie hätten früh gewarnt. Im Mai, als Washington auf „Eskalationssignale“ der Iraner mit militärischen Drohungen reagierte, glaubte man in einigen europäischen Hauptstädten zwar, die Amerikaner hätten recht, wenn sie ihre Interessen und die ihrer Verbündeten in der Region für bedroht hielten. Doch wies man auch darauf hin, dass man schon beim Ausstieg der Trump-Regierung aus dem Atomabkommen mit Iran gewarnt habe, die Politik des maximalen Drucks berge das Risiko unbeabsichtigter Konsequenzen.

          Für Trump sind das falsche Ziele

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle. Pompeo behauptet, hinter den Angriffen auf Tanker stecke Iran, und er begründet das mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen. Das Pentagon liefert dazu Videos, welche die eigene Aufklärung gemacht haben soll. Sie zeigen angeblich ein iranisches Schnellboot, dessen Besatzung eine nicht explodierte Magnetmine von der Wand eines Tankers löst und im Meer versenkt. Für Trump ist damit die Sache klar: Er sagt, man habe die Iraner ertappt, wie sie Beweise vernichten. Iran streitet alles ab, Behauptung steht gegen Behauptung.

          In diesem Deutungskampf hat Trump mit einem geerbten Problem zu kämpfen. Amerika hat seine Intervention im Irak 2003 mit Beschuldigungen begründet, die sich später als falsch erwiesen. Der Verlust an Vertrauen zu Amerika, den die Regierung George W. Bushs damals verschuldet hat, ist anderthalb Dekaden später immer noch spürbar. Bushs Präsidentschaft wirkt so im Negativen nach – so wie dereinst die Erschütterungen aus der Amtszeit Trumps nachschwingen werden.

          Ironischerweise gewinnt aber in der gegenwärtigen Krise die amerikanische Position gerade durch den Faktor Trump an Glaubwürdigkeit. Der Präsident hat nämlich deutlich gemacht, dass er keinen Krieg will. Das ist glaubwürdig, denn ein militärischer Konflikt würde seiner nationalistischen Agenda des „America first“ zuwiderlaufen. Trump mag für manchen Europäer eine negative Steigerung George W. Bushs sein. Wo es um militärische Auslandseinsätze geht, ist er in Wirklichkeit aber das Gegenteil seines republikanischen Vorvorgängers. Der ließ sich in Kriege treiben, die angeblich Demokratie und Freiheit verbreiten sollten. Für Trump hingegen sind das falsche Ziele, und die eingesetzten Mittel pure Ressourcenverschwendung. Die wenigen Bindeglieder zwischen beiden Regierungen, vor allem John Bolton, der Nationale Sicherheitsberater, sind derzeit marginalisiert.

          Das alles bedeutet keineswegs, dass die Krise nicht doch noch militärisch eskalieren könnte. Das iranische Regime sieht sich durch Trump vor die Wahl gestellt, sich entweder wirtschaftlich das Genick brechen zu lassen oder Washingtons Bedingungen für eine diplomatische Lösung zu erfüllen und damit politisch Selbstmord zu begehen. Wer so in die Enge getrieben wird, ist brandgefährlich. Und Trump wiederum ist jederzeit in der Lage, das Gegenteil von dem zu tun, was er gerade gesagt hat.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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