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Wahlkampf in Amerika : Das Geschnatter kann warten

Sie tanzt aus der Reihe: Die demokratische Abgeordnete Tulsi Gabbard am Dienstag in Keene, New Hampshire Bild: AP

In Washington scheint es nur noch um das Impeachment-Verfahren zu gehen. Doch die Mehrheit der Bevölkerung möchte lieber über andere Dinge reden.

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          Charlestown, New Hampshire, bekommt nicht viel Sonne ab. Die Täler der Appalachen sind eng, die Textilfabriken sind längst weggezogen, und der Deckenventilator im Gemeindesaal erinnert an Zeiten, als Telefone noch Kurbeln hatten. Jetzt ist es Abend, und unter dem Ventilator sitzen ein paar Männer und Frauen: Karierte Flanellhemden, Pullover, Winterstiefel gegen den Schnee, der vom Connecticut River herüberweht. Charlestown hat vielleicht 5000 Einwohner. Man kennt sich, man sagt „Hi Kathy“ und „How are you doing?“. Manche Männer tragen Basecaps mit der Aufschrift „US Veteran“, und ihre Bärte sehen aus, als hätte die Ehefrau sie zuletzt vor langer Zeit mit der Küchenschere getrimmt.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Tulsi Gabbard ist da. Das ist an und für sich keine große Nachricht. Gabbard, Abgeordnete der demokratischen Partei im Repräsentantenhaus in Washington, ist im politischen Leben Amerikas höchstens ein Star der Klasse C. Aber sie hat sich in den Kopf gesetzt, bei der Präsidentenwahl im November gegen Donald Trump anzutreten, und dafür müsste sie zuerst diejenigen in ihrer Partei ausstechen, die im Augenblick die Wellen des Umfrageglücks viel erfolgreicher reiten als sie: die Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, den früheren Kleinstadtbürgermeister Pete Buttigieg und den früheren Vizepräsidenten Joe Biden. Dass Gabbard sich das zutraut, macht sie für die Leute in Charlestown zumindest interessant genug, um an einem Mittwochabend noch mal die Stiefel anzuziehen und rauszugehen. Es ist ja sonst nicht viel los hier.

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