https://www.faz.net/-gpf-9j9jx

Früherer Starbucks-Chef : Wie gefährlich wird Howard Schultz Amerikas Demokraten?

  • -Aktualisiert am

Howard Schultz am Montag während der Präsentation seines Buches „From the ground up“ in New York Bild: AFP

Der frühere Starbucks-Chef Schultz will eventuell als Unabhängiger bei der amerikanischen Präsidentenwahl antreten. Die Demokraten sind entsetzt. Doch die Wirkung seiner Kandidatur ist umstritten.

          5 Min.

          Howard Schultz hatte sich am Montagabend nicht den besten Platz für seinen Auftritt ausgesucht – ausgerechnet im Buchladen Barnes & Noble in der Demokraten-Hochburg New York wollte er sein neues Buch diskutieren. Und nachdem der ehemalige Starbucks-Chef am Wochenende angekündigt hatte, dass er 2020 vielleicht als Präsident antreten will, ließen die Demonstranten nicht lang auf sich warten. „Helfen Sie nicht dabei, Trump an der Macht zu halten, Sie egoistisches Milliardärs-Arschloch,“ rief einer. Schultz nahm es gelassen. Eines hat er mit seiner Ankündigung einer möglichen „zentristischen“ Kandidatur ohnehin schon geschafft: die Medienaufmerksamkeit ist riesig. Selbst Präsident Trump reagierte bereits mit einem Schmäh-Tweet auf Schultz, dem er den „Mumm“ für eine Kandidatur absprach. Demokraten wie Republikaner nehmen ihn qua seiner finanziellen Macht bereits ernst, ehe er offiziell eine Kandidatur erklärt hat.

          Die einen fordern Schultz nun auf, als Demokrat anzutreten und sich dem Vorwahlkampf zu stellen oder sich herauszuhalten. Kolumnistin Michelle Goldberg schrieb in der „New York Times“, Schultz könne mit seiner Kandidatur Trump an der Macht halten. Andere, wie Steve Schmidt, ehemaliger Chefstratege im Wahlkampf von John McCain 2008, feuern den Milliardär an. Der Unternehmer könne für die Demokraten schließlich „die Rettung“ sein, wenn die einen „zu linken“ Kandidaten aufstellen würden, spekulierte Schmidt im Magazin „Politico“. Es sei immerhin möglich, dass ein Kandidat der „Mitte“ die Nation „einen“ könne. Ein Mitarbeiter von Schultz sagte dem Magazin „Axios“, man sehe enormes Wählerpotenzial in der „moderatesten Bevölkerung, die das Land je hatte“ und in den Stimmen der desillusionierten und von der Politik distanzierten Menschen.

          Schultz stellt sich selbst als „moderaten“ Kandidaten dar und spricht von der „Wut“ und „Spaltung“, die „beide Seiten“ zu verantworten hätten. Doch natürlich macht der 65 Jahre alte Schultz genauso Interessenpolitik wie jeder andere Kandidat. Kamala Harris, der demokratischen Kandidatin, die eine allgemeine Krankenversicherung einführen will, warf er vor, das sei „nicht amerikanisch“. „Was kommt als nächstes? Welche Branche wollen wir als nächstes abschaffen?“ fragte er mit Blick auf die privaten Krankenversicherer. „Die Kaffee-Industrie?“ Den Vorschlag von Kandidatin Elizabeth Warren, Menschen mit mehr als 50 Millionen Dollar Vermögen höher zu besteuern, bezeichnete Schultz als lächerlich. Am Sonntag sagte er gegenüber dem Sender CNBC, er könne wegen Politikerinnen wie der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez nicht als Demokrat antreten – Ocasio-Cortez will die Superreichen ebenfalls wesentlich höher besteuern. Ihr Vorschlag, Einkommen über zehn Millionen Dollar mit einer Steuer von 70 Prozent zu belegen, wird von vielen Wählern unterstützt – in einer TheHill/HarrisX-Umfrage waren 59 Prozent der Befragten dafür.

          Unabhängige sind der Albtraum der Oppositionspartei

          „Ich werde jetzt ausloten wie groß das Interesse an dem ist, was ich mir im Laufe des vergangenen Jahres politisch überlegt habe – dass die Wahl zwischen Donald Trump und einem weit linken progressiven Demokraten dazwischen ein weites Feld des Möglichen eröffnet,“ sagte Schultz „Axios“.

          Immerhin bezeichnen sich in einer Gallup-Studie 42 Prozent der amerikanischen Wähler als Unabhängige, verglichen mit 30 Prozent entschiedenen Demokraten und noch 26 Prozent Republikanern. Von den Unabhängigen wählten bei der Wahl 2016 letztlich mehr Trump als Clinton. Und jeder Kandidat will möglichst viele aus der großen Masse der Nichtwählerinnen gewinnen: 2016 lag die Wahlbeteiligung schließlich nur bei etwa 55 Prozent.

          Unabhängige Kandidaten oder solche kleiner Parteien gelten als der Albtraum derjenigen, die einen amtierenden Präsidenten besiegen wollen. Den Demokraten sind besonders die grünen Kandidaten Ralph Nader und Jill Stein in schmerzhafter Erinnerung geblieben. Viele glauben bis heute, dass die knappe Niederlage des Demokraten Al Gore gegen George W. Bush im Jahr 2000 Naders Schuld war. Die Wahl entschied sich in Florida, wo Bush Gore mit 537 Stimmen Vorsprung schlug. Nader holte über 97.000 Stimmen und galt vielen deswegen als Verursacher der Niederlage. Demoskopen argumentierten jedoch, dass die meiste Wählerwanderung in Florida zwischen Bush und Gore und nicht zwischen Nader und Gore stattfand – eine Viertelmillion Demokraten im Staate stimmte unerwartet für Bush ab.

          Weitere Themen

          Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          Zeugenaussage belastet Trump Video-Seite öffnen

          Im Ukraine-Konflikt : Zeugenaussage belastet Trump

          Der amerikanische Chefdiplomat in der Ukraine, William Taylor, hat ausgesagt, dass Trump Bedingungen von Selenskyj für Militärhilfen gefordert hat.

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.