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Angeklagt wegen Völkermords : Warum konnte Félicien Kabuga 26 Jahre untertauchen?

Dem Völkermord entronnen: Hutu-Flüchtlinge kehren im November 1996 zurück nach Ruanda. Bild: Marcus Kaufhold

Einer der meistgesuchten Hintermänner des Völkermordes in Ruanda ist nach 26 Jahren in Paris festgenommen worden. Der Prozess gegen Félicien Kabuga könnte auch neues Licht auf ein dunkles Kapitel der französischen Afrika-Politik werfen.

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          Im Rollstuhl hat sich Félicien Kabuga in den Gerichtssaal der Untersuchungskammer des Pariser Berufungsgerichts schieben lassen. Er wirkt ungerührt, als die Generalstaatsanwältin die sieben Anklagepunkte verliest. Auf „Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ lautet die Anklage aus dem Jahr 1998 gegen den früheren Geschäftsmann, der mit seinem Vermögen den Völkermord in Ruanda 1994 finanziert haben soll. Kabuga zählte zudem den Gründern des Senders „Freies Radio und Fernsehen Tausend Hügel“, der zu Hass auf die Tutsi anstachelte. Mit seinem Geld sollen die Waffen für die Todesschwadronen der Miliz Interahamwe gekauft worden sein. Achthunderttausend Tutsis und gemäßigte Hutus starben während des Völkermordes in rund hundert Tagen zwischen April und Juli 1994. Kabuga galt damals als der reichste Mann des kleinen afrikanischen Landes.

          Marlene Grunert

          Redakteurin in der Politik.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Aus einfachen Verhältnissen kommend, hatte er sich ein Imperium aus Tee- und Kaffeeplantagen und Hotels aufgebaut. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“, sagte Kabuga am Mittwochnachmittag vor Gericht. Er weigerte sich, Französisch zu sprechen. Ein Übersetzer trug für ihn vor, dass alle Anklagepunkte „Lügen“ seien. „Ich habe keine Tutsi getötet. Ich arbeitete mit ihnen zusammen und habe ihnen Kredit gewährt. Das ist nur Neid“, sagte er.

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