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Journalist in Belarus : „Ich stehe auf einer sehr schwarzen Liste“

Andrzej Poczobut fotografiert sich während einer Demonstration in Belarus selbst. Bild: Andrzej Poczobut

Andrzej Poczobut arbeitet als Journalist in Belarus. Er wurde schon bedroht und ins Gefängnis gesteckt. Sein einziger Schutz ist, dass man ihn im Ausland kennt.

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          Wenn Andrzej Poczobut durch seine belarussische Heimatstadt Hrodna spaziert, kommt er an einer barocken Kathedrale vorbei. Daneben zieht sich eine Mauer entlang. Auf diese Mauer musste der Journalist oft blicken. Hier ist das Gefängnis, in dem er vor neun Jahren hundert Tage verbrachte, eingesperrt mit drei weiteren Häftlingen in einer kleinen Vierpersonenzelle. „Das war schon eine traumatische Erfahrung“, sagt er. Das Essen sei ekelhaft gewesen, „aber der Mensch gewöhnt sich an alles“. Die Art, wie Gefangene bereit waren, sich vor den Wärtern zu demütigen, um Verbesserungen zu erreichen, hat er nie vergessen. „Ich hatte einen Spitzel in der Zelle, der mich mit merkwürdigen Fragen nervte. Andere Häftlinge saßen wegen Wirtschaftsvergehen. Der Mann, der noch am sympathischsten war, war ein Autodieb.“

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Im Gefängnis schützte Poczobut, dass er im Ausland bekannt ist. Er hat lange für Polens große liberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ gearbeitet; heute ist sein Hauptarbeitgeber der polnische Auslandssender TVP Polonia. Poczobut berichtet aus dem Leben der Polen in Belarus – für die wöchentliche Sendung „An der Memel“. Der Fluss fließt nämlich durch Hrodna. Der Journalist ist froh, dass seine Zeit im Gefängnis damals vergleichsweise glimpflich verlief. „Den Behörden waren die Hände gebunden. Sie hatten offenbar keinen Befehl, mir etwas anzutun, und im Alleingang wollten sie nichts riskieren.“ Damals war er noch der einzige politische Gefangene in der Stadt.

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