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Pipelineprojekt „Turkstream“ : Wie die Türkei Transitstaat für russisches Erdgas werden will

Unter dem Schwarzen Meer hindurch: Transitpipelines in der Nähe der nordtürkischen Stadt Samsun (Archivbild) Bild: dpa

Über die Pipeline „Turkstream“ soll ab Ende 2019 russisches Gas in die Türkei gelangen. So will das Land die Ukraine umgehen – und zu einem wichtigen Transitstaat für die Energieversorgung Europas werden.

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          Dem Teufel wird nachgesagt, er verberge sich gern in Details. Ähnlich ließe sich sagen: Die Bombe steckt oft im Nebensatz. Als der türkische Energieminister Berat Albayrak in der vergangenen Woche in Berlin war, ließ er in einem Gespräch mit dieser Zeitung eine vermeintliche Nebenbemerkung fallen, die politisch ein Hauptsatz ist. Zu der im Bau befindlichen Erdgasleitung „Turkstream“, über die ab Ende 2019 russisches Gas unter dem Schwarzen Meer hindurch in die Türkei gelangen soll, sagte er nämlich: „Da die Erdgasvereinbarung mit der Ukraine nach 2019 nicht erneuert wird, werden wir diese Lücke mit dem Turkstream-Pipelineprojekt schließen.“ Die türkische Vereinbarung mit Russland gehe aber noch weiter, so der Minister: „Für die zweite Pipeline, die auf die Erdgaslieferung an Europa zielt, wird der Zulieferer Gasprom mit den europäischen Kunden eine Entscheidung treffen.“ Mit der auslaufenden „Erdgasvereinbarung“ meinte Albayrak die Verträge zur Durchleitung russischen Gases durch die Ukraine an europäische Kunden im Westen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          An den Transitgebühren verdient Kiew etwa zwei Milliarden Euro im Jahr – und davon will die Türkei künftig einen großen Teil abhaben. Denn „Turkstream“ soll aus zwei Leitungen bestehen: Eine wird Gas an türkische Kunden liefern. Die zweite soll von der Türkei aus westwärts nach Griechenland und/oder Bulgarien verlängert werden, um von dort den Balkan und weitere Märkte in der EU zu erreichen. Die Ukraine spielt als Transitstaat dabei keine Rolle. An ihre Stelle träte die Türkei.

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