https://www.faz.net/-gpf-9q2la

Satirepartei „Loony“ : In Großbritannien sind die Monster los!

  • -Aktualisiert am

Die Satirepartei „Loony“ feiert das Ergebnis bei der Nachwahl des walisischen Wahlkreieses Brecon. Bild: Loony Partei

Die Politik im Vereinigten Königreich kann unmöglich noch verrückter werden? Falsch! Seit der jüngsten Nachwahl macht eine Partei von sich reden, die das Verrückte sogar im Namen trägt – und ganz eigene Vorschläge zum Brexit hat.

          Seit dem Brexit-Referendum im Sommer 2016 ähnelt die Politik im Vereinigten Königreich immer häufiger einer Realsatire. Über 40 Kabinettsmitglieder, darunter zwei Premierminister, hat das Land während des zähen Ringens um den richtigen Kurs beim EU-Austritt in den letzten drei Jahren verschlissen. Doch wer glaubt, dass diese Entwicklung in der Ernennung des exzentrischen und für seine verbalen Fehltritte berüchtigten Boris Johnsons zum Premierminister seinen Höhepunkt gefunden hat, irrt. Es geht noch verrückter!

          Doch der Reihe nach: Als der ehemalige Außenminister und Londoner Bürgermeister Boris Johnson vor rund zwei Wochen die glücklose Theresa May im Amt des Premierministers beerbte, war die Freude bei vielen Brexit-Anhängern im politischen London und auf der gesamten Insel groß. Endlich war man dem lang ersehnten Brexit ein Stück näher gekommen. Und Johnson gab sich große Mühe diesen Erwartungen schnell gerecht zu werden: Er rief ein so genanntes „Kriegskabinett“ ein, das Vorbereitungen für einen unkontrollierten Brexit treffen soll, und strich wichtigen Beamten den Sommerurlaub.

          Doch bereits nach einer Woche erhielt die Regierung Johnson einen unangenehmen Dämpfer. Schuld daran waren die Wähler im walisischen Wahlkreis Brecon and Radnoshire. Denn in der aufgrund eines Korruptionsskandals nötig gewordenen Nachwahl des lokalen Unterhausabgeordneten, sprachen sie sich mehrheitlich für Jane Dodds, die Kandidatin der Liberalen, aus. Johnsons Mehrheit schrumpfte damit um eine weitere Stimme.

          Dieses Ergebnis ist bemerkenswert. Noch interessanter war jedoch das Abschneiden einer Kandidatin, die am Abend der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in einem glitzernden Kleid und mit einem übergroßen, bunten Hut auf die Bühne trat. Ihr Name: Lady Lily the Pink. Lily, wie sie in ihrer Partei einfach genannt wird, kandidierte für die „Official Monster Raving Loony Party“, was sich in etwa mit „die Offizielle Partei der rasenden, verrückten Monster“ übersetzen lässt.

          Die OMRLP ist eine britische Satirepartei, in etwa das Pendant zur deutschen „Die Partei“ des ehemaligen Titanic-Chefredakteurs Martin Sonneborn. Nun ist die reine Existenz der OMRLP nichts Besonderes – bereits seit 1983 nehmen ihre Kandidaten, die stets durch extravagante Hüte und bunte Kleidung sowie abstruse politische Vorschläge auffallen, an Wahlen im Vereinigten Königreich teil. Doch während diese Kandidaturen normalerweise verhältnismäßig unerfolgreich verlaufen, gelang es der OMRLP dieses Mal die rechtspopulistische UKIP hinter sich zu lassen. Rund 1,1 Prozent der Wähler entschieden sich in einer Wahl, die politisch relevant war, ihre Stimme einer Partei anzuvertrauen, die unter anderem damit wirbt, dass sie die Schlösser und Ländereien der britischen Krone an die Franzosen verkaufen würde sowie eine 99-Pence Münze prägen und den Tunnel unter dem Ärmelkanal zuschütten will.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vor UN-Klimagipfel : Jetzt muss endlich gehandelt werden

          Angela Merkel und ihre Regierung reisen mit einem Plan nach New York, mit dem sie nicht als Vorkämpfer fürs Klima zurückkehren werden. Nur guten Willen zeigen – das genügt nicht mehr. Die neuen Klimaberichte sind alarmierend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.