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Vermittlungen in Mali : Langsamer Abschied von der Macht

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In jenen Jahren rutschte der westafrikanische Staat vollends ins Chaos. Islamisten übernahmen zeitweise die Kontrolle über weite Teile des Nordens und konnten nur von einer französischen Interventionstruppe vertrieben werden. Eine rund 15.000 Mann starke Blauhelmtruppe, der mittlerweile auch etwa tausend Deutsche angehören, wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, das Land zu stabilisieren.

Allerdings kontrollierten die malischen Streitkräfte zuletzt immer kleinere Flächen des Landes. Insbesondere das Zentrum um die Niger-Stadt Mopti geriet zuletzt immer stärker ins Visier ethnischer Milizen. Lange war dieser Krisenherd auch von den internationalen Truppen unterschätzt worden. Spätestens seit 2017 die Gewalt in der Region eskalierte, wurde das Versagen deutlich. Längst zieht der Terror die gesamte Sahel-Region in Mitleidenschaft.

Auch anderswo drohen Umstürze

Ohne die Unterstützung der fremden Truppen, zu denen auch noch Abordnungen der Sahel-Staaten Mauretanien, Niger, Tschad und Burkina Faso gehören, würde Malis Armee vermutlich innerhalb kürzester Zeit von den Islamisten überrannt werden. Das weiß man auch in Brüssel, Berlin und Paris. Zwar wurde der Putsch einhellig verurteilt, allerdings dürften deshalb weder Frankreich noch die Vereinten Nationen ernsthaft einen Abzug ihrer Truppen in Erwägung ziehen. Der amerikanische Sahel-Gesandte, J. Peter Pham, erklärte, im Moment sei die Zusammenarbeit mit der malischen Armee eingestellt worden, „bis sich die Lage geklärt hat“. Die amerikanischen Streitkräfte bilden seit langem malische Soldaten aus.

In den Ecowas-Staaten geht auch die Angst um die Stabilität in den eigenen Ländern um. In Burkina Faso, Niger, Guinea und in Côte d’Ivoire stehen noch in diesem Jahr Wahlen an. In Guinea hat erst im Frühjahr der 82 Jahre alte Präsident Alpha Condé per Referendum die Verfassung ändern lassen und dadurch die Beschränkung auf zwei fünf Jahre lange Amtsperioden aufgehoben. Er regiert den kleinen westafrikanische Staat seit zehn Jahren und wird abermals antreten.

Destabilisiertes Burkina Faso

Wochenlang kam es in der Hauptstadt Conakry zu Demonstrationen mit Toten und Verletzten. In Côte d’Ivoire sieht es ähnlich aus. Dort kandidiert Präsident Alassane Ouattara im Oktober für eine dritte Amtszeit. Auch die dortige Verfassung gesteht dem Staatspräsidenten eigentlich nur zwei Amtszeiten zu. Ouattara nennt seine Kandidatur „Pflicht im Interesse der Nation“.

Laut einem Bericht von Coupcast, einem Projekt der Stiftung One Earth Future, ist kaum ein Land derzeit so anfällig für einen Putsch wie das völlig destabilisierte Burkina Faso, in dem im November ein neues Parlament und der Präsident gewählt werden sollen. Auch Niger, wo die Präsidentenwahl Ende Dezember ansteht, befindet sich den Friedensforschern zufolge unter den zehn afrikanischen Ländern mit der höchsten Gefahr eines Staatsstreichs.

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