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Nachwahl in Hartlepool : Die krachende Niederlage der Labour Party

Eine Figur des britischen Premierminister Boris Johnson im Hafen von Hartlepool am 7. Mai Bild: Reuters

Die überwältigende Mehrheit für die Tory-Kandidatin in der früheren Labour-Hochburg Hartlepool erschüttert die Oppositionspartei. Und wirft die Frage auf, ob Keir Starmers Zeit als Vorsitzender abgelaufen ist.

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          Schon bevor das Wahlergebnis für Hartlepool am Freitagmorgen bekannt gegeben wurde, hatte die Öffentlichkeitsarbeit der Labour Party eine Erklärung parat: Keir Starmer, Vorsitzender seit 13 Monaten, hätte die nötige Zeit gefehlt, um die Partei neu auszurichten und vom Schatten seines Vorgängers Jeremy Corbyn zu befreien. Außerdem habe ihm die Corona-Pandemie das Geschäft erschwert. Die Reaktionen auf die historische Niederlage zeigten dann aber, dass dies nicht ausreichen wird, um die Partei zu besänftigen. „Erschüttert“ äußerten sich einige Labour-Politiker, vor allem an Rändern der Partei, und stellten teilweise die Führungsfrage.

          Das Resultat der Nachwahl für das britische Parlament war das erste, das am Tag nach dem „Super Thursday“ eintraf. Doch die Ergebnisse der Kommunal- und Regionalwahlen, die kleckerweise bis zum Ende des Wochenendes erwartet werden, dürften ebenfalls wenig Lichtpunkte für die größte Oppositionspartei bereithalten. Einige Labour-Bürgermeister in Metropolen wie London, Manchester oder Bristol können mit einer Bestätigung im Amt rechnen, und womöglich stärkt die Partei auch ihre schwache Position in Schottland um einige Sitze. Aber in vielen Kommunen droht die Labour-Macht weiter zu schwinden. Erste Ergebnisse, vor allem in Nord- und Mittelengland, deuteten klar darauf hin.

          Wer ist für das Ergebnis verantwortlich?

          Bei den Parlamentswahlen von 2019, welche die Partei noch mit Corbyn bestritt, hatte sie ihr schwächstes Ergebnis seit 1935 eingefahren. Die Nachwahl in der einstigen Labour-Hochburg Hartlepool zeigt nun, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Die wenig profilierte und im Ort unbekannte Tory-Kandidatin Jill Mortimer nahm der seit 1964 ungeschlagenen Labour Party den Wahlkreis nicht nur ab – sie eroberte ihn mit überwältigender Mehrheit. Den Schock mag ermessen, wer sich vorstellt, dass in Duisburg oder Oberhausen ein CDU-Kandidat fast doppelt so viele Stimmen erhalten würde wie der Mandatsträger von der SPD.

          Schon am Morgen meldeten sich prominente Flügelvertreter der Labour Party zu Wort. Diane Abbott, eine der engsten Wegbegleiterinnen des früheren Parteichefs, erklärte es für „unmöglich, Jeremy Corbyn für dieses Ergebnis verantwortlich zu machen“. Vielmehr müsse der amtierende Vorsitzende „noch einmal über seine Strategie nachdenken“. John McDonnell, den Corbyn einst zum Schatzkanzler machen wollte, warf Starmer vor, den Labour-Kandidaten für Hartlepool „beinahe nackt“ und „politikfrei“ in ein aussichtsloses Rennen geschickt zu haben. Während der linke Flügel den Vorsitzenden zurück zu radikalen Programmen drängt, will der rechte Flügel das Gegenteil.

          Peter Mandelson, einst Tony Blairs Geheimwaffe und langjähriger Abgeordneter für Hartlepool, nahm nicht nur Corbyn, sondern die gesamte Phase seit der Blair-Ära in Haftung für die miserable Lage der Partei. In einem BBC-Radiointerview blickte er auf den Zeitraum seit 1979 zurück und zählte die Wahlergebnisse auf: „Verloren, verloren, verloren, verloren, Blair, Blair, Blair, verloren, verloren, verloren, verloren.“ Daraus müsse die Partei lernen, und auch wenn Mandelson den Gedanken nicht ausführte, war klar, was er meinte: zurück ins Zentrum der Gesellschaft – mit einem Kandidaten, der die Menschen begeistert.

          Starmer, ein gelernter Jurist, tut sich schwer als Publikumsmagnet. Sein hölzerner Auftritt hat ihn in den Beliebtheitsumfragen nie hochkommen lassen. Auch die Partei profitierte bisher nicht vom Führungswechsel und liegt weiterhin 14 bis 17 Prozentpunkte unter der Marke der Tories. Die Labour Party polarisiert nicht mehr so stark wie unter Corbyn, aber sie wirkt auch unentschieden und blass. In Hartlepool konnte Starmer nun nicht einmal vom traditionellen Protest-Effekt zehren, demzufolge die Bürger in Nachwahlen in der Regel immer die regierende Partei abstrafen.

          Viele fragten am Freitag, wofür Starmer eigentlich stehe – und manche, wie lange noch: „Wir alle mögen Keir, aber das Verdikt der Leute ist das Verdikt der Leute“, sagte Lord Andrew Adonis, ein früherer Blair-Minister, und wurde dann noch deutlicher: „Die Öffentlichkeit ist nicht überzeugt, dass Labour die Führung, die politische Strategie oder auch nur die Energie und Dynamik hat, um zu liefern.“

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