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Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

Allzeit bereit: Hizbullah-Kämpfer bei der Beisetzung gefallener Kameraden Bild: AFP

In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.

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          Die heiße Phase des Kriegs in Syrien neigt sich dem Ende zu. Im Nahen Osten bahnt sich aber ein neuer Waffengang an, der seinen Ausgang auf dem syrischen Schlachtfeld nimmt. Dort hatten Iran und die schiitische Hizbullah entscheidenden Anteil daran, dass das Regime Assad überlebt und dass die geschwächten Rebellen nur noch wenige Gebiete halten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Iran ist Assad zu Hilfe gekommen – und es bleibt. Denn Teheran richtet in Syrien eine dauerhafte militärische Präsenz ein und betreibt dort 13 Militärstützpunkte. Soldaten der iranischen Revolutionsgarden stehen erstmals nahe der Grenze zu Israel. Zudem sammelte die libanesische Schiitenmiliz Hizbullah in Syrien wichtige Kampferfahrungen und vergrößerte ihr Waffenarsenal erheblich.

          Erstmals reicht damit ein schiitischer Korridor, der in Iran beginnt, bis an das Mittelmeer. Dieses Vordringen Irans erfolgt auf Kosten der sunnitischen Araber, die in der Levante nur noch in Jordanien regieren. Dem will der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman nicht länger tatenlos zusehen – was die Kriegsgefahr weiter ansteigen lässt. So hat er den schwachen sunnitischen Ministerpräsidenten Libanons, Saad Hariri, der den Machtzuwachs der Hizbullah nicht verhindert hat, zum Rücktritt gezwungen. Das haben Iran und die Hizbullah zu Recht als eine Kriegserklärung an ihre Adresse verstanden.

          Nur noch eine Frage der Zeit

          Je weniger die iranischen Revolutionsgarden und die Hizbullah in Syrien gebraucht werden, desto besser können sie sich für einen Waffengang mit Israel vorbereiten – was sie auch tun. Damit setzt sich ein eben veröffentlichter Bericht der High Level Military Group auseinander. Diese Gruppe von 12 pensionierten ranghohen Generälen, zu denen auch der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr Klaus Naumann gehört, war 2015 gegründet worden, um Israel zu beraten. Ihr jüngster Bericht trägt den Titel: „Die Terror-Armee der Hizbullah: Wie man einen dritten Libanon-Krieg verhindern kann.“ Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei.

          Derzeit suche die Hizbullah noch keinen „vollen Konflikt“. Ihr Vorgehen und ihre Propaganda ließen jedoch den Schluss zu, dass sie entlang der Grenze zu Israel und im Libanon einen Krieg vorbereite. Noch aber konsolidiere die Hizbullah ihre Gewinne in Syrien und baue ihre Position im Libanon weiter aus. Der Beginn eines Krieges könne in Iran und im Libanon beschlossen werden.

          Eine Organisation mit „klarer Kommandokette“

          Die Autoren bezeichnen die Hizbullah als den „mächtigsten nichtstaatlichen bewaffneten Akteur in der Welt“. Während des Kriegs in Syrien hat sie ihre Schlagkraft ausgebaut und ihre taktischen Fähigkeiten verbessert. Seit dem letzten Krieg der Hizbullah gegen Israel im Jahr 2006 hat sie ihren Bestand an Lenkwaffen und Raketen auf mehr als 100.000 verzehnfacht. Einige tausend haben eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern; sie könnten Ziele in der Negev-Wüste im Süden Israels erreichen. Die Lenkwaffen und Raketen sind gegenüber dem früheren Arsenal der Hizbullah technologisch verbessert, mit einer erhöhten Treffsicherheit und einem erhöhten Ladegewicht. Zudem verfügt die Hizbullah inzwischen über hochentwickelte Panzerabwehrwaffen.

          In der Hizbullah-Miliz sind derzeit 25.000 Mann unter Waffen, von ihnen wurden 5000 in Iran ausgebildet. Jeder dritte soll in Syrien stationiert sein. In Reserveeinheiten stehen weitere 20.000 Mann bereit. Die Organisation sei „höchst robust“ mit einer „klaren Kommandokette“. Im Süden Libanons sollen sich zehn Prozent der Bevölkerung der Hizbullah angeschlossen haben. In der Mehrheit der Häuser sind Waffen untergebracht, die Orte sind durch Tunnels miteinander verbunden.

          Die Autoren heben hervor, dass die Hizbullah sowohl wie eine Terrorgruppe als auch wie eine konventionelle Armee vorgehe. Sie ist zudem mit Abgeordneten im Parlament und mit Ministern im Kabinett vertreten. Faktisch hat die Hizbullah im Libanon die Kontrolle über den staatlichen Sicherheitsapparat übernommen. Damit ist sie die einzige politische Gruppierung, die darüber entscheidet, ob es an der Grenze zu Israel ruhig bleibt oder nicht.

          Auch die arabische Welt ist im Visier

          Iran hat 1982, im dritten Jahr nach der Revolution, die Hizbullah im Libanon gegründet. Seither ist sie das wichtigste Instrument Irans im Griff nach der regionalen Vorherrschaft. Im Libanon selbst hat sie die Kontrolle über die Politik mit Waffengewalt an sich gerissen, und gegenüber Israel ist sie das wichtigste militärische und terroristische Werkzeug der Islamischen Republik. Die Generäle schreiben in ihrem Bericht, dass die Zerstörung Israels für die in Teheran regierenden schiitischen Islamisten ein dringliches ideologisches Gebot sei.

          Im Visier ist aber auch die arabische Welt. Sie war 800 Jahre sunnitisch geprägt. Das hat sich erst nach der iranischen Revolution von 1979 zu verändern begonnen. „Iran ist seit 1979 die Regionalmacht, die den Status quo verändern will“, schreiben die Generäle. Irans islamistische Ideologie sei inhärent expansiv, und sie verfolge imperialistische Ziele. Iran bediene sich dazu einer unkonventionellen Kriegsführung, es entwickle neue ballistische Raketen und greife auf politisch-militärische Stellvertreter und Terrorgruppen zurück.

          Als „islamische Widerstandsbewegung“ gefeiert

          Während in Syrien gekämpft wurde, hat Iran im Libanon zwei Produktionsstätten für Waffen gebaut. Damit kann die Hizbullah nun auch im eigenen Land Raketen herstellen und muss sie nicht mehr aus Iran einführen. Israelische Flugzeuge haben öfters den Landtransport solcher Raketen bombardiert.

          Neben der expansiven Strategie Irans und der in Syrien gewonnenen Kampfpraxis nennen die Autoren die in Syrien beschädigte Legitimation der Hizbullah als weiteren Grund dafür, dass die Wahrscheinlichkeit eines neuen Kriegs gewachsen ist. Die Hizbullah war nach dem Krieg gegen Israel von 2006 auch in der arabischen Welt als eine „islamische Widerstandsbewegung“ gefeiert worden. Mit ihrem Eingreifen in Syrien, wo 1700 Kämpfer der Hizbullah getötet wurden, gilt sie als ein Teil der schiitischen Bewegung. Nun könnte sie versuchen, mit einem neuen Krieg gegen Israel ihre verlorene Reputation wiederherzustellen.

          Die Hizbullah könnte daher versuchen, den Krieg auf israelischen Boden zu tragen. Andererseits gilt es als wahrscheinlich, dass Iran bei einem Krieg gegen Israel weitere schiitische Milizen, die in Syrien gekämpft haben, auch im Libanon einsetzen würde. Israel und Saudi-Arabien eint, dass beide Iran als die größte Bedrohung für sich selbst und für die Region sehen. Daher arbeiten beide Länder immer enger zusammen. Über ihr Vorgehen haben sie sich noch nicht verständigt. Während Saudi-Arabien drängt, scheut sich Israel vor einer Eskalation.

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