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Kirchliche Seenotrettung : Boot für die Welt

Männer aus Marokko und Bangladesch warten in einem Holzboot vor der libyschen Küste auf Rettung. Bild: AP

Die evangelische Kirche will Flüchtlinge im Mittelmeer retten und dafür ein Schiff ersteigern. Betreiben soll es nicht die Kirche selbst, sondern „Sea Watch“. Der Plan sorgt für internen Streit – und moralischen Druck.

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          Noch liegt die Poseidon in Kiel. Gut sechzig Meter lang und etwas mehr als elf Meter breit ist das 44 Jahre alte Forschungsschiff des Landes Schleswig-Holstein, benannt nach dem wankelmütigen Meeresgott der alten Griechen. In dieser Woche soll es verkauft werden. Bis Donnerstag, 13 Uhr, können in einem verdeckten Bieterverfahren Gebote abgegeben werden. Nach Schätzungen könnte rund eine Million Euro für das Schiff bezahlt werden. Aber das ist Spekulation.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Zum Besichtigungstermin in der vergangenen Woche erschien auch ein ranghoher Kirchenfunktionär: Thies Gundlach. Der Vizepräsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland interessiert sich für die Poseidon. Dabei besitzt Gundlach schon ein Schiff, der gebürtige Lübecker ist passionierter Segler. Bei dem Mehrzweck-Forschungsschiff will der Theologe allerdings nicht als Privatperson mitbieten, sondern als Vorsitzender eines Vereins. Der wurde von der EKD auf den Weg gebracht und verfolgt den Plan, das Forschungsschiff nach dem Erwerb zu einem Rettungsschiff für Flüchtlinge umzubauen. Nach Ansicht von Fachleuten wäre die Poseidon dafür gut geeignet. Bei der Seenotrettung braucht man ausreichend Platz für eine große Crew und noch mehr Gerettete, einen Kran sowie einen Antrieb, der sparsam, aber auch nicht zu langsam ist.

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