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Am Horn von Afrika : Wie die deutsche Marine Jagd auf Piraten macht

Auf dem Weg in die somalische Hauptstadt überfliegt die „Orion“ auch das Wrack des entführten Containerschiffs „Albedo“. Bild: Bundeswehr

Die Bundesmarine beteiligt sich seit zehn Jahren an der europäischen Operation „Atalanta“. Seither ist die Seeräuberei stark zurückgegangen. Doch die Täter bleiben oft auf freiem Fuß. Eine Reportage.

          5 Min.

          Gutes Wetter heute. Klare Sicht, blauer Himmel, 36 Grad Hitze schon am Morgen. Vor ein paar Tagen noch fegte ein heftiger Sandsturm über Djibouti. Korvettenkapitän Michael Langhof, 38 Jahre alt und derzeit Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents, schaut zufrieden. Es ist acht Uhr früh. Neun Stunden Aufklärungsflug liegen vor dem Kommandeur und seiner Mannschaft. Gerade noch wird die „Orion“ betankt. Dann wird die „Jester“ genannte Vier-Propeller-Maschine, ein Seefernaufklärer des amerikanischen Herstellers Lockheed, wieder aufbrechen zur Überwachung des Seeraums über Somalia.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Für Langhof und die elfköpfige Besatzung ist das alles mittlerweile Routine. Seit drei Monaten sind er und seine Leute schon am Horn von Afrika stationiert: 78 Bundeswehrsoldaten, von denen die meisten sonst in Nordholz bei Cuxhaven stationiert sind. Sie gehören zum Marinefliegergeschwader 3, das auch „Graf Zeppelin“ genannt wird. Dazu kommen noch einige Soldaten von anderen Standorten, die als Sanitäter oder Buchhalter tätig sind. In der Zeit, die Langhofs Leute schon in Djibouti sind, haben sie 270 Flugstunden Seeraumüberwachung hinter sich gebracht; wenn sie in einigen Wochen wieder in der Heimat sind, werden es rund 350 sein. Ihre Aufgabe: Piraten aufspüren, Handelswege sichern, den Schiffen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) freie Fahrt zu den Hungernden zu ermöglichen. Von 2009 bis heute wurden mehr als 450 UN-Schiffe mit 1,8 Millionen Tonnen Nahrungsmittelhilfe sicher eskortiert. Das ist auch bitter nötig: Erst Anfang Juni veröffentlichte das WFP eine düstere Prognose. Demnach sind derzeit allein in Somalia zwei Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Vielen der Betroffenen drohe bis zum Ende des Sommers der Tod, so der Nothilfekoordinator Mark Lowcock, weil eine Dürre Ernten und Viehbestände vernichtet habe.

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