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Missbrauch in der Kirche : Verschärfte Verfolgung

Auf der Suche nach Wegen aus der Krise um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: Papst Franziskus Bild: dpa

Der Papst schafft bei Missbrauchsfällen das „päpstliche Geheimnis“ ab. Ermittlungen staatlicher Behörden dürfen nicht mehr mit Bezug auf eine Schweigepflicht behindert werden. Ein allgemeines Regelwerk zum Umgang mit dem Thema steht aber weiter aus.

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          Papst Franziskus hat mit zwei Verfügungen die Verfolgung von sexualisierter Gewalt durch Würdenträger der katholischen Kirche verschärft. Wie der Vatikan am Dienstag mitteilte, wird mit sofortiger Wirkung das sogenannte päpstliche Geheimnis bei Fällen von Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen abgeschafft. Zudem wird der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornographie als „delicta graviora“ (schwerstes Delikt) verfolgt, wenn die darin gezeigten Opfer bis zu 18 Jahre alt sind. Bisher galt dafür die Altersgrenze von 14 Jahren.

          Matthias Rüb
          (rüb.), Politik

          Die Abschaffung des päpstlichen Geheimnisses bei Missbrauchsfällen war unter anderen vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, vor dem von Franziskus einberufenen Kinderschutzgipfel im Vatikan vom Februar gefordert worden. Die Maßnahme führt unter anderem dazu, dass Aussagen und Informationen in kirchlichen Missbrauchsverfahren in aller Regel an die staatlichen Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden können.

          Zwar unterliegt die Verfolgung von Missbrauchsvorwürfen weiter dem Vertraulichkeitsgebot zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Betroffenen und Beschuldigten. Gemäß der neuen Verfügung dürfen Ermittlungen der staatlichen Behörden sowie eine etwa bestehende Anzeigepflicht aber nicht mehr unter Bezug auf eine Schweigepflicht behindert beziehungsweise umgangen werden. Weder die Person, die einen Verdacht anzeigt, noch das mutmaßliche Opfer und mögliche Zeugen dürfen künftig durch die Schweigepflicht von der Kooperation mit den staatlichen Behörden abgehalten werden.

          Das päpstliches Geheimnis bezeichnet im Kirchenrecht eine strenge Geheimhaltungsnorm für bestimmte Rechts- und Verwaltungsvorgänge in der katholischen Kirche. Ihre Verletzung steht unter Strafe. Der allgemeine Geltungsbereich des Schweigegebots war zuletzt 1974 neu geregelt worden.

          Der Erzbischof von Malta und Sonderbeauftragte des Papstes für den Umgang mit dem globalen Missbrauchsskandal, Charles Scicluna, sprach von einer „epochalen Entscheidung“. Ein weiteres Ergebnis des Kinderschutzgipfels vom Februar ist die Verfügung, dass künftig auch Laien bei kirchlichen Missbrauchsprozessen als Anwälte auftreten können, wenn sie Kirchenrecht studiert haben. Bislang durften nur geweihte Priester mit einem entsprechenden Abschluss diese Aufgabe übernehmen. Ein allgemeines Regelwerk für die Weltkirche zum Umgang mit Missbrauchsfällen und deren Vertuschung durch Bischöfe sowie zur Verhinderung künftiger Fälle steht noch aus.

          Franziskus nahm am Dienstag zudem den Rücktritt des ehemaligen päpstlichen Nuntius in Paris, des italienischen Erzbischofs Luigi Ventura, an. Gegen Ventura ermitteln die französischen Behörden wegen sexueller Übergriffe. Offiziell erfolgte die Demission Venturas, der vor wenigen Tagen sein 75. Lebensjahr vollendet hat, aus Altersgründen.

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