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Krieg in Libyen : Beihilfe zum Terrorismus

Die Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis gehen unvermindert weiter. Bild: dpa

Nach wie vor ist der IS eine große Bedrohung für Libyen. Die Gefechte zwischen den Truppen unter Chalifa Haftar und den Streitkräften der „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ kommen der Terrororganisation sehr gelegen.

          Die Bewaffneten schlugen im Morgengrauen zu. Weit im Süden Libyens wurde der Ort Al Fuqaha von Terroristen heimgesucht. Mindestens zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung seien ermordet und ein weiterer verschleppt worden, mehrere Häuser seien in Brand gesteckt worden, sagten Einwohner der libyschen Presse.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Angreifer hätten mutmaßlich zum „Islamischen Staat“ (IS) gehört. Während sich ihre Widersacher in der Hauptstadt Tripolis bekämpfen, haben die Dschihadisten in der Provinz ein Zeichen gesetzt: Der IS ist nach wie vor eine große Bedrohung in Libyen. Und der Terrororganisation kommen die Gefechte zwischen den Truppen des ostlibyschen Militärführers Chalifa Haftar und den Streitkräften der unter UN-Vermittlung eingesetzten „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ sehr gelegen.

          Ende 2016 war den Dschihadisten ihr libysches Herrschaftsgebiet entrissen worden. Nach monatelangem, blutigen Abnutzungskampf wurden sie aus ihrer letzten Bastion, der Küstenstadt Sirte, vertrieben. Auch damals profitierte der IS von der Spaltung des Landes, die es der Terrororganisation erst ermöglicht hatte, sich in Libyen einzunisten und auszubreiten.

          Nach der Schlacht um Sirte blieben die Dschihadisten von koordinierter Verfolgung verschont, zogen sich immer weiter nach Süden in die Wüste und in den Untergrund zurück. Der IS erholte sich, erschloss neue Geldquellen, etwa im Schleusergeschäft, und organisierte sich neu. Inzwischen überzieht er Libyen mit einem Guerrillakrieg in entlegenen Wüstengegenden und mit Anschlägen auf symbolträchtige Ziele wie den Sitz der Nationalen Ölgesellschaft im vergangenen Herbst. Damals bekam auch Al Fuqaha die Guerrillataktik des IS schmerzhaft zu spüren. Der Ort wurde von einer koordinierten Terrorattacke erschüttert. Die damaligen Berichten ähneln jenen über den neuen Angriff: Ein Konvoi Bewaffneter rollt heran, die Männer ermorden Mitarbeiter der örtlichen Sicherheitskräfte, stecken Gebäude in Brand und machen sich mit Geiseln davon.

          Die Gegner des Generals haben die gleichen Schwierigkeiten

          Sechs der Entführungsopfer wurden später ermordet, wie die Internetseite „Eye on Isis in Libya“ berichtet hat. Diese zitiert Presseberichte über die Aussage eines Überlebenden aus dem Kreis der Verschleppten, der von einem „jemenitischen Emir“ sprach – ein Hinweis auf einen hohen Anteil ausländischer Extremisten in den Reihen der Organisation, den ein Bericht des „Combating Terrorism Centre“ der amerikanischen Militärakademie im amerikanischen West Point nahelegt.

          Eigentlich soll die sogenannte Libysche Nationale Armee (LNA) unter Chalifa Haftars Kommando in Al Fuqaha und dem Bezirk Dschufra für Ordnung sorgen. Aber der Arm der LNA reicht oft nicht weit genug und deren Überdehnung dürfte sich durch den Marsch auf Tripolis noch einmal deutlich verschärfen. Die Gegner des Generals haben die gleichen Schwierigkeiten. In Sirte sind noch immer Kräfte aus der Küstenstadt Misrata stationiert, die gegen Haftar mobilmacht.

          Während eines Besuches vor etwa einem Jahr beschwerten sich einfache Milizionäre ebenso wie Kommandeure und ranghohe Geheimdienstmitarbeiter, sie seien erschöpft und würden, trotz Schläferzellen des IS und der andauernden Bedrohung durch Terrorangriffe, kaum Unterstützung und Sold von der Regierung in Tripolis erhalten. Solche Klagen wurden in den folgenden Monaten immer wieder erhoben. Als der Machtkampf um Tripolis in den vergangenen Tagen eskalierte, herrschte die Sorge, Haftar könne seine Truppen, die östlich von Sirte stehen, in Richtung der Stadt in Marsch setzen.

          Es ist jedoch nicht nur der Konflikt zwischen General Haftar und der Regierung in Tripolis, der dem IS in die Hände spielt. Ziel seines Terrors ist es, Misstrauen zu schüren, Spaltungen zu vertiefen und den Aufbau eines funktionierenden Staates zu behindern. Und das erledigten die Gegner des IS in den vergangenen Tagen selbst.

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