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Deutsch-polnisches Verhältnis : Demonstrative Herzlichkeit

Inklusive Umarmung: Slubices Bürgermeister Olejniczak und Frankfurts Oberbürgermeister Wilke bei der Grenzöffnung am Wochenende. Bild: dpa

Die Grenzöffnungen zwischen Deutschland und Polen nach Corona hatten Symbolwert. Doch wie hat die temporäre Schließung der Grenze das Verhältnis beider Länder verändert?

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          Die Grenzöffnung zwischen Deutschland und Polen am vergangenen Wochenende, die nach den monatelangen Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie gefeiert wurde, hatte etwas von einem Déjà-vu. Das war auch beabsichtigt: Auf der Stadtbrücke zwischen Frankfurt an der Oder und Słubice umarmten sich die Bürgermeister von der deutschen und von der polnischen Seite; auf der Brücke in Görlitz wurden sogar Bolzenschneider eingesetzt, um die provisorischen Grenzsperren symbolträchtig niederzureißen.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Offenbar sollte an einer Grenze, an der das Zusammenwachsen Europas immer noch pragmatisch und geschäftsmäßig – über den Geldbeutel – läuft und auf beiden Seiten von alten Vorurteilen begleitet wird, im Licht der Scheinwerfer demonstriert werden: Wir können auch herzlich. Der Vergleich mit 1989, der Zeit des Mauerfalls, stand im Raum. So eng war die Umarmung, dass Frankfurts Bürgermeister René Wilke (Linke) anschließend Selbstanzeige erstattete, weil er die Distanzregeln verletzt habe. Er habe die Behörden gebeten, die Anzeige ohne Ansehen der Person zu prüfen, teilte das Rathaus mit.

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