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Chinas Macht wächst : Wer anderen eine Brücke baut

Begehrt: Ein chinesisches Staatsunternehmen hat sich in den Hafen von Piräus eingekauft. Bild: Picture-Alliance

China weitet seinen Einfluss in Europa aus, durch Investitionen erzeugt das Land Abhängigkeiten. Das führt dazu, dass Kritik an Peking immer mehr verstummt – Europa hat kein Gegenmittel.

          Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, im Frühjahr 2016, besetzte eine Gruppe von Migranten im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet die Bahngleise der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung des Balkans. Die mazedonische Regierung hatte kurz zuvor die Grenze geschlossen. Mehr als 12.000 Menschen saßen in Idomeni fest, jenem griechischen Dorf, das einige Wochen lang im Zentrum des internationalen Medieninteresses stand. Um die Öffnung der Tore zu erzwingen, legten die protestierenden Migranten den Bahnverkehr lahm.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Doch sie hatten ihre Rechnung ohne China gemacht. Denn Peking entfaltete hinter den Kulissen eine rege diplomatische Tätigkeit, um Griechenlands Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und dessen regierendes „Bündnis der radikalen Linken“, Syriza, dazu zu bringen, die Gleise bei Idomeni räumen zu lassen. Was sich dort hinter den Kulissen zutrug, sagt viel aus über den wachsenden Einfluss Chinas in Europa. Es ist eines von vielen Beispielen dafür, wie Peking in fernen Hauptstädten wie Athen, Prag oder Zagreb seine Interessen durchsetzt – und dabei in den jeweiligen Regierungen vielfach auf vorauseilenden Gehorsam trifft.

          Die Antwort auf die Frage, warum sich die Chinesen so stark für einen gesperrten Grenzübergang am Balkan interessieren, führt in den Hafen von Piräus. Dort hat im Jahr 2009 eine der wenigen griechischen Erfolgsgeschichten der vergangenen Dekade ihren Anfang genommen: Das chinesische Staatsunternehmen Cosco Pacific erwarb für 35 Jahre die Konzession für den Containerumschlag. Cosco betreibt Häfen und unterhält zudem die weltweit drittgrößte Flotte von Containerschiffen.

          Als das Unternehmen damals in Piräus einstieg, gehörte der Frachthafen zu den 20 größten in Europa. Inzwischen liegt Piräus auf Platz acht und wächst seit Jahren deutlich schneller als die kontinentale Konkurrenz. Während der Containerumschlag laut dem Branchendienst „Lloyd’s List“ bei den europäischen Marktführern zuletzt um gut ein Prozent (Rotterdam), vier Prozent (Antwerpen) und ein Prozent (Hamburg) im Jahr zulegte, waren es in Athen mehr als zwölf Prozent. Lloyd’s nennt Piräus „die größte Erfolgsgeschichte im Mittelmeer“.

          Der erste große Hafen nach dem Suezkanal

          Die geographischen Vorteile sind offensichtlich. Piräus ist der erste große europäische Hafen nach dem Suezkanal. Bei Lieferungen, die aus Asien kommen, ist es schneller und damit billiger, Ware für weite Teile Europas von Athen aus per Zug zu transportieren, als sie bis nach Rotterdam zu verschiffen und dort erst auf die Schiene umzuladen. Der amerikanische Computerhersteller Hewlett-Packard verlagerte sein Vertriebszentrum schon 2013 von Rotterdam nach Athen. Auch asiatische oder in Asien für den europäischen Markt produzierende Unternehmen wie Samsung und Dell sind an Piräus als Drehkreuz interessiert.

          Doch durch die Blockade in Idomeni geriet Coscos Geschäftsmodell in Gefahr. Hewlett-Packard und andere Kunden wichen kurzfristig auf den slowenischen Hafen Koper aus. Cosco musste fürchten, dauerhaft Marktanteile zu verlieren – und handelte. Ein Gesprächspartner mit guten Verbindungen in die Villa Maximos, den Sitz des griechischen Ministerpräsidenten, will erfahren haben, dass der chinesische Botschafter direkt bei Tsipras intervenierte und eine Räumung der Blockade durch die Polizei verlangte.

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