https://www.faz.net/-gpf-88cqp

UN-Vollversammlung : Die heile Welt ohne Himmel

  • -Aktualisiert am

Die Mächtigen der Welt an einem Tisch: Facebook-Gründer Zuckerberg, Kanzlerin Merkel, UN-Generalsekretär Ban und Sänger Bono beim Mittagessen in New York Bild: dpa

Mit der Agenda 2030 begehen die Vereinten Nationen eine feierliche Selbstvergewisserung. Shakira singt „Imagine there’s no heaven“. Touristen jubeln Merkel zu. Dann sind da aber noch die Kriege und Krisen.

          In der ganzen Hektik des diplomatischen Großereignisses bei den Vereinten Nationen gibt es einen kurzen Moment der Innehaltens: Angela Merkel fährt durch die New Yorker Morgensonne und besucht die 9/11-Gedenkstätte in Lower Manhattan. Gemeinsam mit Michael Bloomberg, dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt und Vorsitzenden der Gedenkstätte, läuft sie vorbei an der Grundfläche des Südturmes des früheren World Trade Centers, in die ein viereckiges Wasserbassin gebaut wurde. Merkel verweilt einige Sekunden am „Survivor Tree“, einem Birnbaum, der den Terroranschlag stark beschädigt überstanden hat und heute auf dem riesigen Areal als zartes Symbol für Unverwüstlichkeit und Überlebenswillen steht. „Dieser Baum ist natürlich ein Wunder“, sagt Merkel. „Dass er überlebt hat und dann so weitergewachsen ist“ – fügt sie an, ohne den Gedanken zu Ende zu führen. Dann berührt sie eine Linie auf einem Ast, an der die rauhe Rinde in glatte übergeht. Die Linie markiert das Datum 11. September 2001.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Als die Kanzlerin weitergeht in Richtung Museum, ist es mit dem Innehalten vorbei. Touristen rufen „Angie, Angie“ und zücken ihre Mobiltelefone, um Fotos zu schießen. So geht das schon die ganze Zeit während ihres Besuchs in New York. Auch in der Vollversammlung der Vereinten Nationen ist es nicht anders. Überhaupt geht es unter den versammelten 150 Staats- und Regierungschefs mitunter zu wie im Zirkus. Anlass für die Zusammenkunft am East River ist die feierliche Selbstvergewisserung der Weltfamilie.

          Die Verabschiedung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung wird eingerahmt von jeder Menge Eine-Welt-Kitsch: Auf der Besuchertribüne der Vollversammlung ergreift Malala Yousafzai das Wort. Die pakistanische Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin fordert Bildung für die Jugend der Welt. Wenig später steht Kolinda Grabar-Kitarovic, die kroatische Staatspräsidentin, am Rednerpult und ruft der jungen Frau tatsächlich zu: „Ja, Malala, ich verspreche, jedes Kind wird Bildung erhalten.“ So einfach ist das bei den Vereinten Nationen. Kurz darauf steht Gurbanguly Berdimuhamedow am Rednerpult. Er ist der Präsident Turkmenistans sowie Vorsitzender der Einheitspartei seines Landes, die sich Demokratische Partei nennt. Er redet nicht so viel über die UN-Agenda, sondern preist lieber die Vorzüge seiner zentralasiatischen Heimat. Die Ermahnung des Versammlungspräsidiums, sich doch bitte an die Redezeit zu halten, geht im allgemeinen Gemurmel unter. Es gibt kein Sanktionsregime. So ist das bei den UN.

          Fern der Kritik aus der Heimat

          Der Auftritt der Pop-Sängerin Shakira lag da bereits hinter den Staats- und Regierungschefs: Unmittelbar nach der Rede von Papst Franziskus betrat die Kolumbianerin das Plenum und trug John Lennons berühmte Friedenshymne vor – eine Choreographie von eigentümlicher Symbolik: Der Heilige Vater hatte den Saal der Vollversammlung gerade verlassen, da stimmte die Sängerin „Imagine there’s no heaven“ an. Angela Merkel verfolgte Shakiras Auftritt interessiert, während Gerd Müller, ihr Entwicklungsminister, das Mobiltelefon für Erinnerungsfotos zückte. Leider machte sich aber nun ein arabischer Staatsmann im traditionellen Gewand samt seiner Entourage vor den Plätzen der deutschen Delegation so breit, dass der Kanzlerin die Sicht auf die Sängerin versperrt wurde. Merkel schaute leicht indigniert, bis man ihr bedeutete, dass es sich um den Emir von Kuweit handelte, der sich sodann zu ihr umdrehte. Merkel sprang sogleich von ihrem Sitz und begrüßte Sabah al Ahmad al Dschabir as Sabah äußerst herzlich.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.
          Christian Pirkner, Chef des Bezahldienstes Blue Code

          Angriff auf Google Pay : „Ich liebe unmögliche Missionen“

          Bisher zahlt kaum jemand mit dem Smartphone. Doch der Unternehmer Christian Pirkner will dem mobilen Bezahlen in Europa zum Durchbruch verhelfen – und legt sich dabei sogar mit Google und Apple an.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.