https://www.faz.net/-gpf-ag8cu

Brexit-Rebellen feiern Erfolg : Heldengeschichten zu Wachteleiern und Forelle

Widerstand gegen Theresa May: Gruppenbild der Brexit-“Spartaner“ im Carlton Club in London Bild: Telegraph/Twitter

28 Erz-Brexiteers verweigerten Theresa May 2019 konsequent die Gefolgschaft und trugen so zum Sturz der Premierministerin bei. Gut zwei Jahre später trafen die selbst erklärten „Spartaner“ zur Feier ihres Siegs zusammen.

          2 Min.

          Bei vielen sind die dramatischen Abstimmungen des Frühjahrs 2019 schon in Vergessenheit geraten, als im Abstand von wenigen Wochen drei Brexit-Deals der damaligen Premierministerin Theresa May im Unterhaus scheiterten. Nicht so bei denen, die bis zu Schluss „gestanden“ haben. Denn am Ende waren es nur noch die 28 konservativen „Spartaner“ gewesen, die das mit Brüssel vereinbarte Abkommen verhinderten, was ihnen wütende Proteste in der Partei einbrachte, sie aber als Gruppe umso mehr zusammenschweißte. Jetzt trafen sie sich, wie ihre Lieblingszeitung, der Daily Telegraph, berichtete, zum ersten Mal in festlicher Atmosphäre, um ihren Rebellionsakt gebührend zu feiern.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Im traditionsreichen Londoner Carlton Club sagte der informelle Spartaner-Anführer Bill Cash, dass ohne den heroischen Widerstand des Kollektivs Mays Abkommen heute in Kraft und Großbritannien noch immer in der EU-Zollunion wäre. Er hielt seine Rede vor einem Gemäldeportrait Neville Chamberlains, zu dem er spielend einen Bezug herzustellen vermochte. Die dritte Abstimmung zum May-Deal, die diesen endgültig begrub und das politische Ende der Premierministerin besiegelte, sei die „wichtigste seit dem Norwegen-Votum von 1940“ gewesen, erklärte Cash. Die historische „Norwegen-Debatte“ im britischen Parlament hatte im ersten Jahr des Zweiten Weltkriegs zum Rücktritt Chamberlains und zur Einsetzung einer Koalitionsregierung unter Winston Churchill geführt. Als Cash seine Rede beendete, stimmte der Saal das Loblied „For He’s a Jolly Good Fellow“ an.

          Boris Johnson und Jacob Rees-Mogg durften nicht kommen

          Vorbild der Gruppe sind die 300 Spartaner, die im Jahr 480 v. Chr. in der Thermopylen-Schlacht todesmutig den übermächtigen Persern entgegentraten. Im Carlton Club zeigte sie sich allerdings von ihrer unspartanischen Seite und ließ sich im reich bestückten „Morning Room“ Forelle, Wachteleier und Lamm servieren, begleitet von politisch korrektem Wein; er kam aus Chile, nicht aus Frankreich.

          Unter den Geladenen befanden sich nur zwei Kabinettsmitglieder, Innenministerin Priti Patel und Generalstaatsanwältin Suella Braverman. Vermeintlich verdiente Brexiteers wie Premierminister Boris Johnson oder der „Leader of the House“, Jacob Rees-Mogg, mussten draußen bleiben. Sie waren aus Sicht der Spartaner umgefallen, als sie Ende März 2019 beim dritten Votum für Mays Deal gestimmt hatten.

          Die wirtschaftlichen Folgen des harten Brexits, die sich unter anderem in Handelseinbußen und Arbeitskräftemangel widerspiegeln, sollen an dem Abend nicht zur Sprache gekommen sein. Stattdessen, berichtete der Abgeordnete Bernhard Jenkins, habe es „eine Menge Gelächter gegeben und wiederaufgelebte Erinnerungen daran, wie hart es war und wie isoliert wir uns gefühlt haben“.

          Am Ende posierten die Widerstandshelden im prächtigen Treppenhaus für ein Gruppenfoto, allesamt ausgestattet mit einer Art Orden. Cash hatte den Männern grüne Manschettenknöpfe sowie grüne Krawatten und den Frauen grüne Seidenschals spendiert, auf die goldene Spartaner-Helme gedruckt waren. Die Vorlage dazu soll Cash, der in den sechziger Jahren Geschichte in Oxford studiert hatte, im British Museum entdeckt haben. 

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Passantin geht mit einer Papiertüte auf der Prager Straße in Dresden vor einem Schaufenster mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten“ entlang.

          Lieferengpass : Werden die Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr teurer?

          Das Lieferketten-Chaos stellt auch immer mehr Einzelhändler vor Herausforderungen. Wird es Lücken in den Regalen geben? Und werden die Geschenke pünktlich ankommen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
          „Bitte Aushangfahrplan beachten“: Wenn die Technik versagt, geht am Bahnhof nicht mehr viel.

          Verspätet, veraltet, kaputt : Die Bahn im Stau

          Klimaschutz mit attraktivem Schienenverkehr? Für dieses politische Ziel wird viel passieren müssen. Die täglichen Störungen im Betrieb der Deutschen Bahn zeigen den hohen technischen Nachholbedarf.
          Sachsen, Leipzig: Mitarbeiter des Hotel Westin, die mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemetismus setzen wollen.

          Interne Hotel-Ermittlungen : Kein Beweis für Antisemitismus

          Eine interne Untersuchung des Leipziger Hotels ergibt kein Fehlverhalten des Mitarbeiters, den der Sänger Gil Ofarim des Antisemitismus beschuldigt hat. Gegen beide liegen Strafanzeigen vor.
          Fische am Great Barrier Reef an der Küste von Queensland, Australien

          Klimaneutralität bis 2050 : Australiens späte Mission Null

          Kaum ein Land spürt den Klimawandel so sehr wie Australien. Trotzdem hat sich das Land lange gegen ambitionierte Klimaziele gesträubt. Nun vollzieht die Regierung eine Wende – und mit ihr das Murdoch-Imperium. Wie kommt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.