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Brasiliens Präsident Bolsonaro : Kommandant der Kettensägen

Nach Bolsonaros Wahl ist der Regenwald zusätzlich in Gefahr, weil die Bergbauindustrie gierig auf kostbare Mineralvorkommen schielt. Bild: dpa

Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro findet: Umweltschutz gehört abgeschafft. Dem größten Regenwald der Welt und seinen Bewohnern droht Gefahr – denn die Bergbauindustrie schielt schon gierig auf kostbare Mineralvorkommen in dem Gebiet.

          4 Min.

          Für den neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ist der Umweltschutz ein Hindernis. Etwas, das dem Land die Luft abschnürt, wie er sagt. Der ultrarechte frühere Hauptmann der Armee will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Stattdessen wünscht er sich asphaltierte Straßen durch den Regenwald, Minen in Indianerreservaten und weniger Umweltauflagen für die Landwirtschaft. Deren mächtige Lobby hat großen Einfluss auf Abgeordnete und Senatoren. Die brasilianischen Produzenten, die die halbe Welt mit Fleisch und Soja beliefern und ein Milliardengeschäft machen, will Bolsonaro „befreien“. Das könnte schwerwiegende Folgen haben – nicht nur für Brasilien und seinen schon jetzt angeschlagenen Regenwald.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Nach seinem Wahlsieg am vorigen Sonntag hatte Bolsonaro zunächst sogar angekündigt, das Umweltministerium ins Agrarministerium zu integrieren. Der Präsident plant nämlich, den aufgeblasenen Staatsapparat mit derzeit noch 29 Ministerien zu halbieren. Umweltorganisationen protestierten und fragten: Wie soll ein Ministerium in ein anderes eingegliedert werden, für dessen Kontrolle es eigentlich zuständig wäre? Zu den Kritikern zählten auch der amtierende Umweltminister und mehrere seiner Vorgänger. Was aber entscheidender war: Aus der Landwirtschaft selbst kam ebenfalls Widerstand. Die Aufgaben der beiden Ministerien seien zu unterschiedlich, um sie zusammenzulegen. Daraufhin ruderte Bolsonaro am Donnerstag zurück. Doch es ist offensichtlich, wohin seine Politik zielt. Der Schutz der Umwelt und damit des Regenwaldes, die Kontrollen und Strafen sollen verringert werden.

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