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Parlamentswahl in Italien : Tiere würden Berlusconi wählen

Berlusconi sprach an jenem, laut Brambilla „historischen Tag für den Tierschutz“ nicht nur über Politik; er plauderte auch über sein Leben mit den Tieren. Wenn er am Morgen im Park seiner Villa spazieren gehe, werde er von 13 Tieren begleitet, von Schafen, Lämmchen und den „Hunden, die den kleinen Ziegen Küsse geben“.

Selbst wenn die Tierliebe des Politikers einen authentischen Kern haben sollte, vor allem ist sie politische Strategie. Berlusconi hat in den vergangenen Jahrzehnten schon ziemlich vielen Wählern Versprechungen gemacht – und noch mehr enttäuscht. Jetzt hat er sich eine neue Nische auf dem politischen Themenmarkt gesucht und beackert sie mit knallharten Marketingmethoden. Seine Hunde, allen voran sein weißer Pudel Dudù, mussten in Talkshows schon bezeugen, wie sehr dem Politiker die Vierbeiner am Herzen liegen.

Steuererleichterungen für Tiernahrung

„Wer die Tiere liebt und will, dass sie Respekt erfahren, weiß, dass er Forza Italia wählen muss“, sagte Brambilla jüngst in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. Sie kandidiert auf der Liste von Berlusconis Partei für das Abgeordnetenhaus und hat zusammen mit ihrem einstigen Mentor jede Menge Tierschutzinhalte in das Wahlprogramm von Forza Italia befördert. Andere Parteien, wie etwa der Partito Democratico, zogen eher halbherzig nach – doch da hatten Berlusconi und Brambilla das Thema schon erfolgreich besetzt. Auf dem Wählermarkt der Tierliebhaber sind sie derzeit konkurrenzlos.

Die beiden wollen, dass Tiere als fühlende Wesen in die Verfassung aufgenommen werden. Tiere zur Pelzproduktion zu halten soll verboten werden. Außerdem wollen Brambilla und Berlusconi einen Tierrechtskodex schaffen und den Tierschutz auf Regierungsebene verankern, mit einem eigenen Beauftragten und einer Abteilung in einem Ministerium. Bei aller Tierliebe ist Italien nämlich auch ein Land, in dem Katzen und Hunde immer wieder ausgesetzt werden, etwa wenn sie dem Sommerurlaub im Weg stehen.

Doch die verlockendsten Versprechungen des Duos Berlusconi-Brambilla sind wohl die steuerlichen Erleichterungen für Tiernahrung und tierärztliche Behandlungen. Einer Studie zufolge halten 70 Prozent der Haustierbesitzer die Mehrwertsteuer auf Tiernahrung und Tiermedikamente für überzogen hoch. Sie liegt derzeit bei 22 Prozent und ist damit einer der höchsten in Europa.

Wie viele dieser Pläne Berlusconi nach der Wahl verwirklicht, hängt davon ab, ob dessen Mitte-rechts-Bündnis tatsächlich eine regierungsfähige Mehrheit erringen wird – und ob seine Koalitionspartner, Lega Nord, Fratelli d’Italia und Noi per l’Italia, sich diese Ziele dann auch zu eigen machen wollen.

Dass das klappt, daran zweifelt zumindest Tierschutzaktivistin Brambilla nicht. Berlusconis Partei sei „die führende innerhalb der Koalition“ und könne beim Thema Tierschutz im Zweifelsfall den Weg vorgeben. Aber noch geht es ja gar nicht um konkrete Politik, sondern nur darum, möglichst viele Wähler zu gewinnen.

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