https://www.faz.net/-gpf-9gykb

Australiens Flüchtlingspolitik : Erst das Lager, dann die Klinik

Das Flüchtlingslager auf der Insel Manus im Februar 2017. Bild: Reuters

Von Australiens Regierung verschmäht: Flüchtlinge, die mit Booten nach Australien kamen, wurden entgegen aller Menschenrechtskonventionen in Papua-Neuginea interniert. Wie leben sie dort nun? Ein Besuch.

          6 Min.

          Die Privatklinik in Port Moresby trägt ein geschwungenes Dach, das an ein traditionelles Stammesgebäude erinnert. Palmen stehen links und rechts vom Eingang. Von außen lässt sich nichts von dem Elend im Inneren der Klinik erahnen. Eine freundliche Schwester bringt den Gast durch einen Gang und eine Sicherheitstür bis in die Intensivstation. Dort sitzen einige dunkelhäutige Männer in Uniformen auf Plastikstühlen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Gast sagt den Namen eines Patienten. Der Wächter schaut auf eine Liste und zeigt in Richtung einer offenen Zimmertür. In Raum 205 liegen zwei Männer auf Krankenhausbetten. Der eine hat sich auf der Seite liegend zusammengekrümmt. Der andere starrt an die Zimmerdecke. Er heißt Abbas Shepur Aziz und ist ein Flüchtling aus dem Irak. Seine Wangen sind eingefallen wie bei einer getrockneten Frucht. Er ist blass. Vor etwa zehn Tagen wollte er sich das Leben nehmen. Mit einer Rasierklinge schnitt er sich die Kopfhaut auf. Das Blut bildete eine große Lache auf dem Fußboden. So viel Blut, sagt er. „Big bloody“. So klingt das in seinem gebrochenen Englisch. Auf seinem Handy zeigt er ein Foto von dem großen, dunkelroten Fleck auf dem Boden. Mit großen braunen Augen schaut er seinen Gast an. Aber warum die Gewalt gegen sich selbst? „Mein Geist ist müde. Sechs Jahre.“ Die Antwort ist kaum mehr als ein Flüstern. Abbas meint die Zeit, die er bald schon als Flüchtling in australischen Lagern lebt. „Sechs Jahre bin ich in diesem Gefängnis. Was habe ich getan?“, fragt er. Dann holt er tief Luft. Er sagt den Satz, den er später noch ein paar Mal wiederholen wird. Die Stimme klingt nun fester. „Das Einzige, was ich will, mein Leben beenden.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+